Viel los im Jahr 2025. Vor allem die USA standen im Fokus, denn die Trump-Regierung wirbelte nicht nur das Ausland, sondern vor allem die heimischen Institutionen um. In Deutschland trat eine neue Regierung nach der erst vierten vorgezogenen Wahl der Landesgeschichte an.
Darüber hinaus bewegen wir uns in diesem Jahresreview von Kontinent zu Kontinent, um die wichtigsten Entwicklungen aus dem Jahr 2025 zu beleuchten – und mit Prognosen für 2026 zu versehen, auf welche ein Fünftel des Reviews entfällt.
Jahresreview 2025 zu Wirtschaft und Business
Deutschland unter Druck
(4,5 Minuten Lesezeit)
Bereits der Start ins Jahr war für die Bundesrepublik intensiv. Die Ampelregierung war zerfallen, eine vorgezogene Neuwahl stand an. Die CDU setzte sich wie erwartet durch, die SPD wurde der Koalitionspartner. Friedrich Merz wurde Bundeskanzler, Lars Klingbeil Vizekanzler und Finanzminister. Die Ministerliste war abseits zweier Quereinsteiger aus der Privatwirtschaft herkömmlich.
Schuldenwende
Eine der ersten Amtshandlungen, noch vor der Konstituierung des neuen Bundestags, war eine große Schuldenreform. Die Verteidigung wurde in hohem Maße von der Schuldenbremse ausgenommen, die SPD verhandelte zusätzlich ein 500 Milliarden EUR schweres Sondervermögen – offiziell für neue Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz – hinzu. Im Jahresverlauf mehrten sich die Anzeichen, dass diese Kriterien breit ausgelegt werden; bis zu 93 Prozent der Gelder könnten bislang zweckentfremdet worden sein.
Explainer: Deutschlands Schuldenwende (April 2025)
Explainer: Was es mit der Schuldenbremse auf sich hat (November 2024)
Rentenreform
Wenn das Jahr mit der größten fiskalischen Reform seit 15 Jahren begonnen hatte, so endete es mit einer der größten Umverteilungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte. Eine große Rentenreform dürfte bis 2040 knapp 500 Milliarden EUR Mehrkosten zugunsten von Rentnern verursachen. Das gelang nicht streitlos: Innerhalb der Union wagte eine "Junge Gruppe" den Aufstand, doch gab sich mit begrenzten Zugeständnissen geschlagen.
Explainer: Wie die Rente in Deutschland (nicht) funktioniert (November 2025)
Wirtschafts- und Sozialpolitik
Zwischen den Flaggschiffen aus Schulden- und Rentenreformen war die Koalition vor allem in der Wirtschafts- und Migrationspolitik aktiv.
Sie verbesserte die Abschreibungen für Firmen, brachte perspektivische Steuererleichterungen auf den Weg, senkte die Energiekosten (leistete sich bei der Senkung der Stromsteuer jedoch auch den Bruch eines Wahlversprechens) und wagte mehrere Bürokratieabbaupakete. Der Tenor von Ökonomen und Wirtschaftsverbänden war meist, dass die Richtung stimmt, die Maßnahmen jedoch zu zögerlich seien. Die Sozialpolitik war kontroverser, rund um einen kräftig steigenden Mindestlohn, steigende Sozialabgaben und die Reform des Bürgergelds in die strengere "Neue Grundsicherung".
Migration
Die Koalition verschärfte die Migrationspolitik deutlich. Abschiebungen wurden intensiviert (auch erstmals nach Syrien), Zurückweisungen an der Grenze bis in den rechtlich uneindeutigen Raum ausgeweitet, der Familienzuzug teils gestoppt und die (kaum genutzte) "Turbo-Einbürgerung" der Ampel abgeschafft. Viel Hin und Her gab es rund um die eigentlich zugesagte Einreise von Afghanen, die zuletzt in Teilen zu erfolgen schien.
Verteidigung
In der Verteidigungspolitik beschloss die Regierung einen neuen Wehrdienst, welcher freiwillige Elemente mit möglichem Zwang kombiniert. Viel Aktivität gab es bei der Beschaffung der Bundeswehr, immer häufiger auch in Kooperation mit jungen Defense-Startups. Nach zahlreichen Drohnenvorfällen richtete die Regierung eine Abwehrbehörde ein und weitete Sicherheitsbefugnisse aus.
Explainer: DefenseTechs: Die neue Generation der Rüstungsfirmen (Juni 2025)
Viel Streit
Die Koalition war streitbar, wortwörtlich seit Tag 1: Merz wurde überhaupt erst im zweiten Wahlgang zum Kanzler gewählt. Später folgten Streits zu Grundsicherung, der Migration, der Wehrpflicht, dem Rentenpaket oder der Wahl neuer Verfassungsrichter. Mal war es die Union gegen die SPD, mal die Union gegen sich selbst. Akut gefährdet war die Koalition zu keinem Zeitpunkt.
Die Randparteien im ZentrumIn gewisser Weise war es das Jahr der Randparteien. Die Union tolerierte Anfang des Jahres, dass ein symbolischer Antrag zur Migrationspolitik nur mithilfe von AfD-Stimmen eine Mehrheit im Bundestag erhielt – selbst parteiintern war das umstritten, im linken Meinungsraum sorgte es für Schock. Die Rechtspopulisten stiegen im Verlaufe des Jahres zur stärksten Einzelpartei auf, mit rund 25 Prozent in den Umfragen. Inmitten des Rentenstreits gab es leise Gerüchte, dass Teile der Union über das Szenario einer AfD-tolerierten Minderheitsregierung gesprochen hätten.
Der Höhenflug der AfD gelang trotz zahlreicher Skandale: hochrangige Korruptionsvorwürfe mit Russlandbezug und Chinabezug, Betrugsermittlungen, dubiose Russland-Reisen – und eine Vielzahl an NS-Parolen, Goebbels-Zitaten und Hitlergrüßen. Im Mai kam der Verfassungsschutz auf 1108 Seiten Gutachten zu der Einschätzung, dass die AfD rechtsextrem ist.
Auch die Linke erlebte ein starkes 2025: Vermutlich war es das gemeinsame Votum von AfD und Union, welches die Partei stärkte. Sie schaffte nicht nur den Bundestagseinzug, sondern eines ihrer besten Ergebnisse überhaupt. Die Angst vor einer Linken-Blockade zwang Merz, die Grundgesetzänderung für die Schuldenwende vorzuziehen. Die zweite Kanzlerwahlrunde ließ sich nur dank der Linken vorziehen. Und die Partei half der Unionsführung gegen ihre "Rebellen" im Rentenstreit.
Schlechter war das Jahr für die FDP und das BSW. Die Liberalen fielen aus dem Bundestag und sind seitdem öffentlich kaum wahrnehmbar. Die Wagenknecht-Partei verpasste den Einzug und zerstreitet sich seitdem; sie hofft, dass die Klage auf eine Neuauszählung die Wende bringt. Die Grünen suchen als stärkste Oppositionskraft der Mitte derweil, wo ihre Rolle zwischen staatstragendem Zentrismus und dem Feld links davon sein soll.
Neue Gesichter
2025 war das Jahr, in welchem die Politelite von vielen neuen Gesichtern gezeichnet war. Weder Robert Habeck noch Annalena Baerbock oder Christian Lindner sind noch aktiv. Sahra Wagenknecht tritt kaum noch auf. Die alte SPD-Grande wurde vom Klingbeil-Kreis ersetzt. Mehr Kontinuität gibt es bei der Union und der AfD, welche ihre Personalkarussells bereits in den Vorjahren durchlaufen hatten.
Wie geht es 2026 weiter? 2026 wird ein großes Wahljahr. In den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hofft die AfD auf Erfolge, in ersterem vielleicht gar die absolute Mehrheit. Verliert die SPD in Rheinland-Pfalz erstmals seit 34 Jahren die Macht an die CDU, schwächt das Lars Klingbeil. Die CDU hat außerdem gute Siegeschancen in Baden-Württemberg gegen die Grünen, doch könnte in Berlin verlieren, wenn dank der starken Linken ein Linksbündnis möglich wird.
Bei den Reformen auf Bundesebene dürfte die Koalition weiter versuchen, ihrem noch nicht so recht bewiesenen Anspruch als Regierung des Wirtschaftsneustarts gerecht zu werden. Versprochen sind zudem Sozialreformen, wobei für die Krankenversicherung und die Rente erst einmal Kommissionen tagen werden. 2026 dürfte zudem der Einsatz der Gelder aus der Schuldenreform verstärkt anlaufen, was die Konjunktur ankurbeln dürfte.Ganze 49 Prozent der Deutschen rechnen derweil damit, dass die Koalition vorzeitig scheitert; 17 Prozent verorten das 2026. Die whathappened-Redaktion erkennt das derzeit nicht: Schwarz-Rot ist bislang stabiler als die späte Ampel, zeigt sich zu internen Kompromissen bereit und die politischen Risiken wären für beide Koalitionspartner derzeit zu hoch.
Nichts mehr beim Alten in den USA
(5 Minuten Lesezeit)

Die zweite Trump-Regierung hat die USA schon nach einem Jahr in hohem Maße verändert, und ist dabei mit einer beeindruckenden Effizienz und Intensität vorgegangen. Dermaßen viel geschah, dass die whathappened-Redaktion eine „Alles, was Trump getan hat“-Explainerreihe aufgesetzt hat.
Explainer: Alles, was Trump bislang getan hat #3 (Juli-Oktober)
Explainer: Alles, was Trump bislang getan hat #2 (April-Juli)
Explainer: Alles, was Trump bislang getan hat #1 (Februar-April)
Der Staatsvertrag
Die größten Folgen für die USA dürften institutioneller Natur sein. Die Regierung hat sich die Kontrolle über eigentlich unabhängige Regierungs- und Aufsichtsbehörden gesichert – und dafür vom konservativ dominierten Supreme Court das grüne Licht erhalten. Selbst auf die Notenbank Fed nimmt Trump indirekten und inzwischen auch offenen Einfluss. Trump ließ das Militär in zumeist demokratisch regierten Städten aufmarschieren, er verklagt oder bedroht Medien und lässt das Justizministerium – welches unter früheren Präsidenten weitaus mehr Autonomie besaß – gegen politische Gegner vorgehen.
Die Regierung hat den Beamtenapparat, die Militärführung und die Geheimdienste mit Loyalisten durchsetzt (und ersteren mit DOGE ausgehöhlt). Sie geht gegen ideologische Abweichler vor. Das geht weit über politische Neubesetzungen hinaus und ist ein beispielloses Maß an institutioneller Kontrolle. Von der rechten Seite wird das nicht negiert, sondern damit begründet, dass die Verfassung mehr Exekutivmacht vorschreibe – und dass ein verschwörerischer "Deep State" gegen die Interessen einer mutmaßlichen Volksmehrheit agiere.
Der Hof des Satrapen
Die Trump-Regierung ist auf eine Art und Weise persönlich auf den Präsidenten ausgerichtet, wie es in den USA noch nie der Fall war. Trump macht Industrie-, Migrations- und Handelspolitik per Dekret. Er ordnet ohne den Kongress große Militäroperationen an. Er lässt CEOs wie Tributäre um sein Wohlwollen buhlen und irritiert selbst Verbündete mit seinen Begnadigungen für White-Collar-Kriminelle und Aufständische. Seine Außenpolitik lässt er von einem engen Kreis aus unerfahrenen, doch loyalen Höflingen betreiben oder übernimmt sie gleich höchstpersönlich, wo früher ein professioneller Beamtenapparat mehr Einfluss nahm.
Auge um Auge
Der Präsident versuchte mehrfach, seinen Vorgänger Biden zu demütigen, warf Vorvorgänger Obama einen "Putsch" vor und ließ das Justizministerium gegen ihn ermitteln. Er setzte es auch auf andere politische Gegner sowie frühere Ermittler wie Jack Smith an. Anwaltskanzleien, welche mit Trump-Rivalen zusammengearbeitet hatten, setzte er unter Druck, häufig erfolgreich.
Der Krypto-Präsident
Trump verfolgte zahlreiche persönliche Geschäftsinteressen. Das reichte von einem geschenkten Flugzeug aus Qatar bis hin zum Trump-Smartphone, auf dessen Lieferung Käufer seit Monaten warten. Besonders dubios sind die Kryptogeschäfte der Trump-Familie, welche inzwischen das Gros ihres Vermögens stellen dürften, darunter der "$TRUMP-Coin" und das Firmenvehikel World Liberty Financial. Noch nie hat ein US-Präsident sein Amt dermaßen für eigene finanzielle Interessen genutzt.
Die irreguläre Migration
Trump hat eine historische Verschärfung der amerikanischen Migrationspolitik umgesetzt. Die registrierten illegalen Grenzübertritte sind auf ein 50-Jahre-Tief gefallen, die Deportationen wurden deutlich ausgeweitet. Das Asylrecht ist per Notstand ausgesetzt. Bei ihren Abschiebungen in Drittstaaten wie El Salvador und Südsudan kollidierte die Regierung mit dem Gesetz, doch ignorierte Anweisungen meist einfach, bis sie vom Supreme Court Recht zugesprochen bekam.
Für Aufsehen sorgten die heftigen, öffentlichkeitswirksamen Razzien der gestärkten Deportationsbehörde ICE. In Los Angeles führte das im Sommer gar zu aufstandsartigen Massenprotesten. Die öffentliche Meinung ist derweil geteilt: Für 53 Prozent gehen die Deportationen zu weit, für 46 Prozent nicht.

... und die reguläre Migration
Auch die reguläre Migration wurde von der Regierung umstrukturiert. Sie verhängte Einreisesperren gegen bestimmte Entwicklungsländer, prüft Social-Media-Profile von Touristen auf "anti-amerikanische Ansichten" und schränkte die H-1B-Visa, welche insbesondere von Tech-Fachkräften genutzt wurden, deutlich ein. Der Versuch, die Birthright Citizenship (die Staatsbürgerschaft bei der Geburt auf US‑Territorium) zu kippen, muss noch vom Supreme Court entschieden werden.
Das andere Woke
Die Trump-Regierung nimmt viel Einfluss auf die Gesellschafts- und Kulturpolitik, und platziert ihre konservative Identitätspolitik: Dekrete zur Geschlechterpolitik, Begriffsverbote, die "Säuberung" von Museen und Drohungen gegen DEI-Maßnahmen – bis hin zum Einsatz von Anti-Betrugs-Gesetzen. Sie machte massiven Druck auf Universitäten, um direkten Einfluss auf Curricula und Personal zu erlangen, und durchsetzte den Expertenapparat in der Gesundheitspolitik mit Loyalisten.
Der Staat im Zentrum der Wirtschaft
Die Trumpsche Wirtschaftspolitik ist von viel Dirigismus und Ideologie geprägt: Trumps Importzölle weiten die Rolle des Staates auf Kosten der Privatwirtschaft aus; er ließ seine Regierung Anteile an Firmen wie Intel übernehmen; handelte persönlich den Verkauf von TikTok aus; nahm viel Einfluss auf konkrete Unternehmensentscheidungen (bis hin zu Coca-Cola-Geschmacksrichtungen); und störte die grüne Energieindustrie aktiv.
Gut zu wissen: Mehr über die Wirtschafts- und Handelspolitik der USA schrieben wir in unserem Jahresrückblick 2025 für Wirtschaft und Business.
Die Außenpolitik
Die Trumpsche Außenpolitik ist transaktional, offensiv und persönlich. Sie betreibt viel Konfliktvermittlung, gelegentlich erfolgreich, priorisierte jedoch mehrfach schnell darstellbare Erfolge über robuste Resultate – und wählte gegenüber Venezuela und Iran Konfrontation. Sie ist kühl-antagonistisch gegenüber liberalen Staaten und konstruktiv-partnerschaftlich gegenüber rechtspopulistischen Staaten sowie vielen Autokratien (selbst das Verhältnis zu China ist nach einem gescheiterten Druckversuch eher konstruktiv). Das ist inzwischen sogar formalisiert: Eine neue Sicherheitsstrategie der USA sagt wenig zu China, noch weniger zu Russland und formuliert viel Kritik an Europa.
Wie zuhause, so hat die Trump-Regierung auch außenpolitische Institutionen aufgerissen. Das Außenministerium war global noch nie so schwach besetzt. Die weltgrößte Hilfsorganisation USAID ist zerschlagen und existiert nur noch in Minimalform weiter; die Auslandsmedien Voice of America und Radio Free Europe gibt es nicht mehr. Zudem zogen sich die USA aus internationalen Pakten wie der WHO und dem UN-Menschenrechtsbericht zurück.
Explainer: Hat Trump sieben Kriege beendet? (August 2025)
Explainer: Die neue Monroe-Doktrin der USA (Dezember 2025)
Explainer: Der Ukrainekrieg im Jahr 2025 (November 2025)
Explainer: Die USA und ihre neue Ukrainepolitik (März 2025)
Explainer: Die USA wagen den Expansionismus (Januar 2025)
Der Skandal, den es nicht gab
Zum größten Destabilisierungsfaktor für die Trump-Regierung geriet der Epstein-Skandal. Trump hatte im Wahlkampf mit maximaler Transparenz geworben, doch enttäuschte seine Anhänger schnell: Mal spielte er den Skandal herunter, mal dementierte er ihn komplett und mal versuchte er, auf politische Gegner abzulenken. Am Ende gab es tröpfchenweise Anerkenntnisse und Veröffentlichungen. Eine große Tranche an Epstein-Dokumenten verärgerte durch (teils einfach reversierbare) Schwärzungen. Das trennte den MAGA-Kosmos sichtbar in Loyalisten und Enttäuschte, auch wenn noch keine kritische Spaltung erkennbar ist.
Wie geht es 2026 weiter? Im November stehen die Zwischenwahlen an, bei welchen die Demokraten eine vielversprechende Chance haben, die Republikanermehrheit im Kongress zu beenden. Das würde Trumps Regierungsfähigkeit etwas einschränken – doch der Präsident regiert ohnehin viel per Dekret und ignorierte Kongress sowie Justiz mehrfach.
Innerhalb des Trumpisten-Flügels kommt es vermehrt zu Konflikten, unter anderem zu Themen wie Antisemitismus, Isolationismus und dem Epstein-Skandal. Das könnte 2026 größere Auswirkungen haben.
Inhaltlich erwartet whathappened Kontinuität: eine scharfe Migrationspolitik, eine dirigistische und zugleich regulationsskeptische, inflationäre Wirtschaftspolitik, wenige neue Manöver in der Handelspolitik, und eine Außenpolitik, welche schnelle Erfolge sucht und vor allem gegenüber Europa antagonistisch auftritt – und gelegentlich überrascht. Bei allem gilt: viel Identitätspolitik, populistische Rhetorik und wenig, das in den Zwischenwahlen zum Risiko geraten könnte.
Die Amerikas (... außer den USA)
(3 Minuten Lesezeit)

Die Monroe-Doktrin: Grönland, Panama, Venezuela
Ein Begriff aus dem späten 19. Jahrhundert erlebte 2025 ein Comeback: die Monroe-Doktrin. Die USA vertraten ihren Anspruch auf Dominanz in Nord- und Südamerika so offensiv wie seit den 1970ern nicht mehr. Trump formulierte früh einen ausdrücklich territorialen Anspruch auf Grönland und Panama, attackierte unfreundliche Regierungen und mischte sich in Wahlen in Kanada, Honduras und Argentinien sowie in die Justiz in Brasilien ein.
Ab Spätsommer begannen die USA mit intensiven Drohgebärden gegen die autoritäre Maduro-Regierung in Venezuela. Sie zogen Truppen und schweres Militärgerät zusammen, versenkten mutmaßliche Drogenschmuggelboote, setzten Öltanker fest und bombardierten einen Hafen. Sie drohten ausdrücklich mit einer Militärinvasion – und forderten Maduros Abtritt. Am 3. Januar 2026 vollzogen sie diesen einfach selbst: In einer gewagten, beispiellosen Militäraktion entführten sie Maduro aus Caracas und extrahierten ihn in die USA.
Wie geht es 2026 weiter? Die Entführung Maduros ist zum Zeitpunkt dieses Reviews soeben geschehen. whathappened wird in seinen Briefings und Explainern in den kommenden Tagen mehr Analysen und Prognosen bieten. Zentrale Fragen: Geschah der Überfall mit Kooperation der venezolanischen Elite? Wird sich diese konsolidieren oder auf amerikanische Forderungen zur Machtabgabe eingehen? Sind die USA im ersten Szenario zu einer robusteren Militärintervention bereit?
Noch uneindeutig ist außerdem, in welche Richtung die Stimmung in Venezuela und in ganz Lateinamerika kippt: Maduros autoritäre, inkompetente Regierung ist zutiefst unbeliebt (vor allem in Venezuela selbst), doch die Skepsis gegenüber den Motivationen der USA ist groß.
Explainer: Die neue Monroe-Doktrin der USA (Dezember 2025)
Explainer: Die USA wagen den Expansionismus (Januar 2025)
Explainer: Was Venezuelas Wahl bedeutet (Juli 2024)
Explainer: Venezuelas Fiasko (und das kleine Comeback) (August 2022)
Liberales Comeback in Kanada
In Kanada schien Anfang des Jahres ein Sieg der Konservativen bei der Parlamentswahl gesichert, immerhin führten sie in den Umfragen mit 29 Prozentpunkten. Die Liberalen unter ihrem neuen Parteichef Mark Carney schafften jedoch eines der größten Comebacks in der jüngeren Demokratiegeschichte. Das gelang vor allem, weil Donald Trumps lautstarke Einmischung zugunsten der Konservativen so unbeliebt war.
Rechtsruck in Chile und Bolivien
In Chile und Bolivien gab es wiederum einen klaren Rechtsruck. Die Chilenen wählten den ultrakonservativen José Antonio Kast zum Präsidenten; in Bolivien ersetzte der Zentrist Rodrigo Paz erstmals seit 20 Jahren die erfolglosen Linkspopulisten. Das stärkt einen Block rechter Regierungen in Lateinamerika, zu welchem bereits Argentinien, Peru und Ecuador gehörten.
Brasilien arbeitet die Vergangenheit auf
Brasilien wurde auch 2025 vom Umgang mit den Bolsonaristas und dem namengebenden rechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro beherrscht. Im November folgte dann das Urteil des Obersten Gerichts: Bolsonaro habe nach seiner Wahlniederlage 2022 einen Putschversuch geplant. Nun muss er 27 Jahre in Haft. Das polarisiert das Land; die Meinungen über das Verfahren gehen stark auseinander.
Argentinien bleibt auf Milei-Kurs
Javier Milei konnte seit seiner Wahl Ende 2023 mehrere wirtschaftliche Erfolge feiern und genoss viel politischen Rückhalt, ungeachtet sozialer Kosten. Eine klar verlorene Regionalwahl warf daran jedoch Zweifel auf. Es folgte eine äußerst negative Reaktion der Finanzmärkte, welche die befreundete Trump-Regierung zu einer Marktintervention bewog. Diese warnte zugleich, dass sie nur weiter helfen werde, wenn Milei die folgende Kongresswahl gewinnt. So kam es: Der Präsident und seine Partei schnitten überraschend gut ab, was das ultraliberale Experiment in Argentinien gestärkt weitergehen lässt.
Explainer: Argentiniens erstes Jahr unter Milei (Dezember 2024)
Honorable mentions
- Mexiko hat im Juni damit begonnen, sämtliche Richter im Land wählen zu lassen. Das Flaggschiffprojekt der Linkspopulisten ist umstritten und bei Experten verpönt; Kritiker befürchten Kompetenzverlust und politische Einflussnahme.
Explainer: Was passiert, wenn ein Land seine Richter wählen lässt? (Mai 2025)
Der Nahe Osten
(3,5 Minuten Lesezeit)
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Israel-Gaza-Krieg
Ein volatiles Jahr für Gaza. Auf eine kurze Waffenruhe ab Januar folgte eine erneute Eskalation. Im August stellte die UN-Stelle IPC zum ersten Mal offiziell eine Hungersnot fest, nachdem Israel zuvor von März bis Mai keine Hilfsgüter zugelassen hatte.
Im Oktober vermittelten die USA erfolgreich eine erneute Waffenruhe als erste Stufe eines umfassenden Friedensplans. Der Friedensplan wurde von Beobachtern positiv aufgenommen, und auch whathappened lobte ihn als "pragmatisch und holistisch". Neben der Waffenruhe sah er eine Internationalisierung von Gaza, einen Machtverzicht der Hamas, eine Friedenstruppe und einen politischen Prozess zwischen Israelis und Palästinensern vor.
Während der Plan insgesamt stockt (mit symbolischen Ausnahmen wie einer UN-Resolution für besagte Friedenstruppe), hält die Waffenruhe bis heute weitestgehend – so lange wie keine zuvor. Die meisten Geiseln wurden freigelassen, die humanitäre Lage hat sich verbessert und die IPC erklärte die Hungersnot im Dezember offiziell für beendet.
Wie geht es 2026 weiter? Ein erneuter großer Gewaltausbruch zeichnet sich aktuell nicht ab. Fraglich ist, ob der Trumpsche Friedensplan Fahrt aufnimmt oder Gaza auf eine de-facto-Teilung zusteuert, mit einer langfristig israelisch kontrollierten Peripherie und einer geschwächten, doch weiterhin dominanten Hamas im Inneren.
Explainer: Warum der Gaza-Deal bedeutsam ist (Oktober 2025)
Israel-Iran-Krieg
Im Juni eskalierte ein jahrzehntelanger Schattenkrieg in einen 12-tägigen Luftfeldzug Israels gegen Iran, welcher militärisch zu einem großen Erfolg geriet und den iranischen Einfluss im Nahen Osten spürbar schwächte. Die USA schlossen sich mit einem heftigen, doch in seiner Wirksamkeit uneindeutigen Angriff auf Atomanlagen an. Danach machten sie auf beiden Seiten Druck, eine Waffenruhe zu akzeptieren – diese hält bis heute.
Nominell agierte Jerusalem aufgrund Teherans Atomprogramms, doch wahrscheinlicher ging es darum, amerikanisch-iranische Gespräche zu stören und Irans strategische Schwäche auszunutzen.
Wie geht es 2026 weiter? Eine erneute Eskalation ist aktuell nicht erkennbar. Israels Fokus liegt auf Gaza und dem Libanon, und ein Angriff würde das Verhältnis zu den USA strapazieren. Iran ist militärisch und wirtschaftlich nicht imstande, eigens zu eskalieren. Auch der heimische Rückhalt ist fraglich: 44% der Iraner sehen Teheran als Schuldigen für den Krieg, nur 33% Israel.
Explainer: Israel und Iran (Juni 2025)
Syrien am Scheideweg
2025 war das erste Jahr für Syrien ohne einen Assad an der Spitze seit 54 Jahren. Stattdessen regierten nun moderate Islamisten unter dem früheren al-Qaeda-Mitglied Ahmed al-Sharaa – und mussten ein geteiltes Land wieder zusammenbringen und ihm Institutionen verschaffen.
In vielerlei Hinsicht gelang das: Syrien vermied es, erneut zu zerfallen. Die Sicherheitssituation für die meisten Syrer hat sich verbessert. Erste Institutionen stimmen vorsichtig optimistisch. Mit den Kurden gelang im Frühjahr eine politische Einigung zur Eingliederung in den Staat.
Allerdings: Das neue Syrien ist stark auf al-Sharaa ausgerichtet, das Parlament wird von ihm kontrolliert. Die Regierungstruppen waren an schweren Gewaltausbrüchen gegen die Alawiten- und Drusen-Minderheiten beteiligt. Und der politische Prozess mit den Kurden verlief sich nicht nur im Jahresverlauf, es gab sogar kleine Scharmützel.
Wie geht es 2026 weiter? Syrien könnte auf eine vorsichtige Demokratisierung zusteuern oder auf einen neuen Autoritarismus unter al-Sharaa mit arabisch-sunnitischem Chauvinismus. Im neuen Jahr dürfte der Pfad klarer werden.Eine Wildcard bleibt Israel: Der immer selbstbewusster agierende Nachbar leistete sich 2025 Nadelstiche gegen ein konziliatorisch auftretendes Damaskus. Es hat mehrfach bewiesen, nicht davor zurückzuschrecken, in die Machtbalance in Syrien einzugreifen.
Explainer: Syrien, ein Jahr danach (Dezember 2025)
Explainer: Syriens Opposition hat gesiegt (Dezember 2024)
Explainer: Die Minderheiten des Nahen Ostens (August 2025)
Die Türkei wird autoritärer
Die Türkei ist 2025 verstärkt gegen ihre Opposition vorgegangen. Die politisch motivierte Verhaftung des Oppositionsführers Ekrem İmamoğlu führte zu den größten Massenprotesten seit 2013. Gleichzeitig haben die Erdogan-Regierung und die kurdische PKK einen Friedensprozess begonnen, welcher vielversprechend wirkt und bereits zur Niederlegung der Waffen durch die PKK geführt hat.
Wie geht es 2026 weiter? Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Erdogan-Regierung ihre Machtzentralisierung lockern wird, je näher die Präsidentschaftswahl 2028 rückt. Mit viel Spannung wird der Frieden mit der PKK beobachtet: Übersteht er 2026, hat er Chancen, stabil zu bleiben.
Honorable mentions
- Jemen: Eine von den VAE unterstützte Separatistengruppe (STC) attackierte im Dezember die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung. Der STC ist jetzt die zweite dominante Kraft neben den Houthis; und das Verhältnis zwischen den VAE und Saudi-Arabien ist schlecht.
- Der Libanon hatte im Januar mit Joseph Aoun seinen ersten Präsidenten seit zwei Jahren erhalten. Das weckte Hoffnungen, dass sich der libanesische Staat gegenüber der (von Israel erschütterten) Hisbollah behaupten könnte, was sich nur teilweise bestätigte.
Der Ukrainekrieg
(2 Minuten Lesezeit)

Meter für Meter
War der Ukrainekrieg 2023 und 2024 noch in hohem Maße statisch (mit Ausnahme der Kursk-Offensive), gewann er 2025 an Fahrt. Allerdings weniger territorial als diplomatisch und im Meinungsraum. Russland erzielte zwar schnellere Fortschritte als in den Vorjahren, doch noch immer nur inkrementell und unter hohen Kosten. Nicht einmal die Einnahme der kleinen, doch strategisch relevanten Orte Pokrowsk und Kupjansk gelang, obwohl sie seit bis zu anderthalb Jahren versucht wird (die Ukraine befreite Kupjansk vor einigen Tagen sogar, was Monate an russischem Fortschritt reversiert). Der größte Erfolg blieb die Rückeroberung Kursks mithilfe nordkoreanischer Truppen. Unser Explainer "Der Ukrainekrieg im Jahr 2025" resümierte genauer.
Verteidigung aussichtslos
Die militärische Lage der Ukraine mag sich etwas verschlechtert haben, doch der Meinungsraum verfinsterte sich unverhältnismäßig stärker. Das Narrativ eines unausweichlichen russischen Sieges gewann 2025 an Fahrt und wurde mitunter auch von Beobachtern, welche Russland nicht nahestehen, übernommen. Es verfing sich auch bei den Rechtspopulisten in den USA, darunter der Trump-Regierung.
Die Diplomatie-Dampfwalze
Die USA betrieben eine aktive Ukraine-Diplomatie, häufig in Spannung zu Kiew und unter begleitenden europäischen Beeinflussungsversuchen. Washington forderte wiederholt weitreichende ukrainische Zugeständnisse an Russland (und manchmal an sich selbst). Symbolisch kulminierte das im öffentlichen Selenskyj-Trump-Schlagabtausch im Februar im Weißen Haus.
Andersherum folgten die USA in zentralen Fragen häufig der Moskauer Linie, etwa bei der Ablehnung einer vorgeschalteten Waffenruhe oder bei dem unausgewogenen Friedensplan im Spätherbst (dazu ebenfalls unser Explainer). Auch ein persönliches, folgenloses Treffen zwischen Putin und Trump im August war ein Erfolg für den Kreml. Für diesen war 2025 damit ein diplomatisch exzellentes Jahr, ungeachtet punktueller amerikanischer Verärgerung und neuer Sanktionen gegen den Ölsektor.
Wie geht es 2026 weiter? Das Jahr beginnt inmitten ukrainisch-amerikanischer Verhandlungen über den Friedensprozess. Die große Frage: Welche Sicherheitsgarantien erhält die Ukraine und muss sie kontrolliertes Territorium abtreten? Und wird Russland überhaupt einem weniger als maximalistischen Vorschlag zustimmen?Die whathappened-Redaktion rechnet eher nicht mit einer relevanten Verhandlungslösung. Sie vermutet, dass das Verhältnis der USA zu Kiew weiter zwischen konstruktiv und antagonistisch pendeln wird, und zu Russland zwischen freundlich und vorsichtig skeptisch. Ändert sich letzteres, steigt die Chance auf nachhaltigen Frieden.Militärisch ist alles außer weiteren inkrementellen russischen Fortschritten und taktischen Gegenoffensiven der Ukraine unwahrscheinlich. Doch wie immer in Kriegen gilt: Manchmal passiert lange wenig, und dann vieles sehr schnell. In Anbetracht der fragilen Wirtschaft und unklaren Elitenpolitik in Russland könnte das auch zugunsten der Ukraine verlaufen.
Explainer: Der Ukrainekrieg im Jahr 2025 (November 2025)
Explainer: Die USA und ihre neue Ukrainepolitik (März 2025)
Europa
(2,5 Minuten Lesezeit)

Der Russland-NATO-Schattenkrieg
whathappened schrieb, dass 2024 das Jahr war, in welchem der Konflikt zwischen Russland und der NATO immer greifbarer wurde. 2025 machte genauso weiter. Es gab Sabotageakte, Einflusskampagnen und Brandattacken, welche seitens Geheimdiensten und Regierungen Russland zugeschrieben wurden. Eine neue Qualität erreichten Drohnenvorfälle, welche im Wochentakt über europäischer (Militär-)Infrastruktur stattfanden. Im September drangen rund 20 Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Die NATO reagierte mit Abschüssen, verstärkter Luftabwehr und Diskussionen über Drohnenwälle (welche Polen unilateral vorantreibt).
Wie geht es 2026 weiter? Mehr vom Gleichen. Nadelstiche unterhalb der offensichtlichen Kriegsschwelle durch Russland; aufgeregte Debatten in Europa, wie eine adäquate Verteidigung aussieht und wie viel reaktive Eskalation angebracht ist.
Explainer: Die NATO-Ostflanke und die Drohnen (September 2025)
Explainer: Wie es um Europas Verteidigungsfähigkeit steht (November 2024)
Explainer: Die Herausforderungen der EU (Juni 2024)
Explainer: Die kritische Infrastruktur in Deutschland und Europa (Oktober 2022)
Explainer: NATO: Vom Gehirntod zur Wiedergeburt (Februar 2022)
Frankreich in der Krise
Frankreich taumelt seit Sommer 2024 durch eine politische Dauerkrise: Das Parlament ist zwischen Rechts- und Linkspopulisten gespalten, die ständig wechselnden Premiers regieren nur per Minderheit und der unbeliebte, nicht erneut wählbare Präsident Macron ist geschwächt. Sébastien Lecornu ersetzte ab September den glücklosen François Bayrou und schaffte es immerhin, eine notdürftig stabile Regierung herzustellen – indem er die Macronsche Rentenreform aufgab.
Wie geht es 2026 weiter? Die französische Regierung könnte jederzeit zerfallen. Der Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs für April 2027 erhöht die Anreize für bestimmte Akteure, die Regierung zu destabilisieren. Die erste Frage wird allerdings sein, ob Frankreich endlich einen Haushalt findet und die teure Skepsis der Anleihemärkte eindämmen kann.
Moldau wählt den Westen
In Moldau setzte sich im September die proeuropäische PAS unter Präsidentin Maia Sandu unerwartet deutlich gegen die prorussische Opposition durch. Die Wahl galt in ganz Europa als wichtiger Stimmungsmesser zwischen einem Ost- und Westkurs, und als Kräftemessen der beiden Blöcke: Die EU mahnte und lockte mit Wirtschaftsvorteilen sowie Beitrittsperspektive; Russland störte die Wahl mit koordinierter Desinformation, Bombendrohungen und falscher Berichterstattung.
Wie geht es 2026 weiter? Die Moldauer dürften nun darauf achten, ob sich die von Sandu versprochenen Vorteile einer EU-Annäherung bewahrheiten werden – weiter begleitet von russischen Einflussoperationen.
Explainer: Moldau zwischen Ost und West (September 2025)
Serbiens Protestwelle
Seit November 2024 laufen fast durchgehend Massenproteste in Serbien, ausgelöst durch einen tödlichen Gebäudeeinsturz. Erst ging es um Verantwortung und Korruption, dann um generellen Unmut mit der Regierung. Zwischenzeitlich kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen der Protestler mit Sicherheitskräften und Schlägerbanden, was Sorgen vor einer Eskalation weckte – doch gleichzeitig die Regierung um Langzeitpräsident Aleksandar Vucic so wackelig wie noch nie aussehen ließ. Die Aufgabe eines unbeliebten Trump-Hotelprojekts geriet zum späten Achtungserfolg der Protestler.
Explainer: Serbien: Korruption mit System (März 2025)
Honorable mentions
- In Spanien stand die Regierung von Pedro Sánchez das gesamte Jahr über unter Druck, aufgrund mehrerer Skandale. In Großbritannien ist Keir Starmer parteiintern angeschlagen. Beide Regierungen könnten 2026 stürzen.
- In den Niederlanden zerfiel die Regierung bereits im Juni, denn Rechtspopulist Geert Wilders zog seine Partei heraus – nur um bei den Neuwahlen schwach abzuschneiden. Die linksliberale D66 unter Rob Jetten arbeitet nun an der Regierungsbildung.
- In Tschechien und in Polen wählte die Bevölkerung Rechtspopulisten: Premier Andrej Babiš bringt Prag auf EU-skeptische, russlandfreundliche Linie mit Ungarn; und Präsident Karol Nawrocki blockiert die zentristische Tusk-Regierung in Warschau.
Asien (außer Nahost)
(3 Minuten Lesezeit)

Alte neue Konflikte in Süd(ost)asien
Im Mai kam es zur schwersten Eskalation zwischen Indien und Pakistan seit mehreren Jahrzehnten. Indien beschuldigte seinen Nachbarn für einen tödlichen Anschlag, es folgten Luftschläge, Drohnenangriffe und Artilleriefeuer beider Seiten. Es war mehr Grenzkonflikt als vollwertiger Krieg, und nach vier Tagen war er ohne klaren Sieger vorbei. Heute herrscht wieder weitestgehend Normalität, doch das Machtverhältnis in Südasien ist uneindeutiger als zuvor.
Bemerkenswert: Es war ein seltener Konflikt zwischen Nuklearmächten, der mit modernem Kriegsgerät ausgefochten wurde (Drohnen, Marschflugkörper), und bei welchem erstmals chinesisches Kriegsgerät zum Einsatz kam – und zwar eher erfolgreich. Dass Indien sich amerikanischer Vermittlung verbat, zeigte, wie sehr das Land inzwischen einen Anspruch als Regionalmacht formuliert.
Auch zwischen Afghanistan und Pakistan sowie Thailand und Kambodscha gab es größere Grenzkonflikte. Erstere stritten sich um die Miliz Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), welche laut Islamabad von Afghanistan unterstützt wird; zweitere um den genauen Grenzverlauf. Beide Konflikte wurden durch sichtbar fragile Waffenruhen beigelegt.
Wie geht es 2026 weiter? Alle drei Konflikte könnten 2026 wieder aufbrechen, denn die zugrunde liegenden Probleme sind ungelöst und die Waffenruhen fragil. Weitere potenzielle Zündherde existieren von Iran-Afghanistan bis Indien-China. Ein offener Konflikt in Ostasien (z.B. um Taiwan) bleibt unwahrscheinlich, doch China erprobt Jahr für Jahr den Grauraum stärker, mittels Drohgebärden und Einflussoperationen.
Explainer: Indien, Pakistan und der Kaschmir-Konflikt (Mai 2025)
Neue Spitzen in Japan und Südkorea
Südkorea verbrachte 2025 mit der Aufarbeitung eines gescheiterten Selbstputsches durch Präsident Yoon Suk Yeol im Dezember 2024. Yoon ist inzwischen abgesetzt, verhaftet und wartet auf sein Urteil, wie mehrere Unterstützer. Im Juni gewann die liberale Opposition eine Neuwahl; neue Reformen sollen zukünftig Machtergreifungen erschweren. Viele Südkoreaner sind stolz auf die Resilienz ihrer Demokratie – doch empfinden zugleich die Polarisierung im Land als schlimmer denn je.
In Japan wurde Sanae Takaichi Premierministerin, nachdem ihre LDP, die dominante Kraft in der japanischen Politik, in eine Krise geraten war. Weil der klassische Koalitionspartner absprang, setzt die konservative "Iron Lady" auf ein Rechtsbündnis. Und noch weiter außen feiert die ultrarechte Partei Sanseito auffällige Wahlerfolge.
Wie geht es 2026 weiter? In Südkorea steht das Urteil gegen Yoon bevor, was zu einem heiklen Moment geraten dürfte. In Japan zeichnet sich ab, dass Takaichi eine strengere Linie gegenüber China fahren wird.
Explainer: Südkoreas Politik gerät zur Farce (Januar 2025)
Kaukasus: Frieden und Einfluss
Armenien und Aserbaidschan haben im August einen Friedensvertrag geschlossen; der Höhepunkt eines politischen Prozesses seit dem Zweiten Bergkarabachkrieg 2020. Auffällig ist die Rolle der USA: Sie übernehmen für 99 Jahre die Rechte zur Entwicklung eines großen Transitkorridors, welcher das Herzstück des Abkommens darstellt. Das ist ein markanter Einflussverlust für Russland und Iran zugunsten der USA.
Ganz anders in Georgien: Die prorussische Regierungspartei Georgischer Traum hat 2025 ihre Kontrolle über die Institutionen dermaßen ausgeweitet, dass es kaum mehr angemessen ist, das Land noch als Demokratie zu bezeichnen. Das ist ein wichtiger Einflussgewinn für Russland, welchem die mehrheitlich europafreundliche Bevölkerung mit Massenprotesten begegnet – womit sie die Machtzentralisierung bislang jedoch nur verlangsamen konnte.
Honorable mentions
- China war 2025 vor allem mit den Schwierigkeiten in seiner Wirtschaft und geoökonomischen Konflikten mit den USA beschäftigt, führte einige diplomatische Streits, z.B. mit Japan, und fiel mit mehr militärischer Aktivität um Taiwan auf.
- Bangladesch schloss die Übergangsphase nach der Revolution 2024 ab und wird im Februar wählen. Für Aufsehen sorgten ein politisches Attentat und Streitigkeiten in einer aus der Revolution hervorgegangenen Studentenpartei.
- Heftige Massenproteste in Nepal bewegten die Regierung im September zum Abtritt – der nächste Eintrag in einer Liste großer "Gen-Z-Proteste". Jetzt bereitet sich das Land auf Wahlen im März vor.
- Im Bürgerkrieg in Myanmar konnte die angeschlagene Junta 2025 ihre Position verbessern, vor allem dank Unterstützung aus China. Ein Sieg der Rebellen ist vorerst nicht mehr erkennbar, doch die politische Lage kann sich schnell ändern.
Explainer: Myanmar nähert sich dem Kipppunkt (Dezember 2023)
Explainer: Myanmar: Kein Ende in Sicht (Januar 2023)
Explainer: Myanmar: Das Militär richtet das Land zugrunde (April 2021)
Explainer: Myanmars Tanz zwischen Diktatur und Demokratie (Februar 2021)

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