April 19, 2026
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11 Minuten Lesezeit

100 Tage Regime Change in Venezuela

Wohin steuert das Land?
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Blitzzusammenfassung_ (in 30 Sekunden)

  • Nach der Absetzung Maduros durch eine Militäraktion der USA haben andere Teile der Elite die Macht übernommen – mit ausdrücklicher Duldung Washingtons.
  • Interimspräsidentin Delcy Rodríguez konsolidiert Macht und trägt, bemerkenswerterweise, auch die Rolle des Chavismo in der Gesellschaft ab.
  • Das politische Klima in Venezuela hat sich tatsächlich liberalisiert: Politische Gefangene kommen frei, Proteste werden zugelassen.
  • Dieser Prozess bleibt allerdings stark unvollständig, und die Regierung macht keine Anstalten, in eine schnelle Wahl gehen oder die Macht abgeben zu wollen.
  • Seitens der USA scheint wenig Druck für mehr Liberalisierung zu erfolgen – anders als in der Wirtschaft. Entsprechend hat Rodríguez den Rohstoffsektor deutlich geöffnet.
  • Investoren sind allerdings noch skeptisch, denn das politische Umfeld ist unsicher.
  • In den kommenden Monaten werden sich der Kurs bezüglich politischer und wirtschaftlicher Liberalisierung und die Rezeption durch Investoren genauer zeigen. Ein wichtiger Moment: Die mögliche Rückkehr der Oppositionsführerin Machado.

Ein Stück Liberalisierung_

(5,5 Minuten Lesezeit)

Der Überfall

Vor dreieinhalb Monaten, oder knapp 100 Tagen, führten die USA eine waghalsige Militäraktion in Venezuela durch. Ob man es nun eine Gefangennahme oder eine Entführung nennen möchte: Präsident Nicolás Maduro befand sich plötzlich in der Haft in den USA. Ohne eigene Verluste (wenn auch mit sieben Verletzten) war das amerikanische Militär tief in fremdes Staatsgebiet vorgedrungen, hatte Maduro unter Kontrolle gebracht und erfolgreich exfiltriert. Zurück ließen die USA einige Dutzend getötete venezolanische Soldaten, 32 getötete kubanische Spezialkräfte, welche als Leibgarde Maduros entsandt worden waren, 2 getötete Zivilisten und ein Land, welches nicht wusste, was es am nächsten Morgen erwartet.

Für viele Venezolaner schien es, als könnte es kaum schlechter werden. In den 12 Jahren unter Maduro war das Land zutiefst heruntergewirtschaftet worden und zunehmend autoritär geworden. Acht Millionen Venezolaner, ein Viertel der Bevölkerung, waren aus dem Land geflohen. Das ist eine der größten Flüchtlingskrisen der Welt und die mit Abstand größte, welche mit keinem bewaffneten Konflikt zusammenhängt. Nach der Wiederwahl Maduros im Sommer 2025, mit äußerst hoher Wahrscheinlichkeit manipuliert, hatten sich die Repressionen gegen die Zivilbevölkerung noch verschärft.

Realistischerweise konnte es nach Maduro aber doch in beide Richtungen gehen. Venezuela könnte noch chaotischer, militarisierter und paranoider werden. Oder andersherum, offener, pluralistischer und wirtschaftlich erfolgreicher. Dreieinhalb Monate nach dem Husarenstreich der USA deutet sich an, dass das Land sanfte Schritte zu letzterem macht. Allerdings mit reichlich Einschränkungen.

Die USA und ihre Frau in Caracas

Wer die Gefangennahme Maduros als Eröffnungssalve in einem größeren „Regime Change“ sah, also einem von außen forcierten Regierungssturz, wurde enttäuscht. Die USA übergaben das Land regelrecht in die Hand von Delcy Rodríguez, der bisherigen Vizepräsidentin und damit intuitiven Nachfolgerin. Rodríguez (und ihr Bruder und Parlamentschef Jorge) hatte offenbar Geheimgespräche mit den USA geführt und ihnen versprochen, nach einem Sturz Maduros mit ihnen kooperieren zu wollen. Aktiv scheint sie Washington beim Sturz Maduros nicht unterstützt zu haben (das würde sich dann definitorisch um einen Putsch handeln), doch auch das wäre plausibel.

Rodríguez galt eigentlich als Maduro-Loyalistin und Sozialistin, allerdings auch als Pragmatikerin. Sie hat ein enges persönliches Verhältnis zur Herrscherfamilie Qatars, welche sie offenbar als Freundin wertet und ihr Gesprächskanäle zu den USA eröffnet hatte. Ihr wird außerdem ein konstruktives Verhältnis zum amerikanischen Ölsektor nachgesagt. In amerikanisch-venezolanischen Gesprächen über einen freiwilligen Rücktritt Maduros im Herbst 2025 habe sie außerdem diskret angeboten, für diesen Fall eine Übergangsregierung zu leiten.

Das alles hat in Washington zu der Meinung geführt, dass es sich mit Rodríguez zusammenarbeiten ließe – und sie die richtige Person sei, um Chaos zu verhindern, sollte Maduro erfolgreich abgesetzt werden. So kam es. Rodríguez ließ sich zur Interimspräsidentin ernennen und beschwor öffentlich, die Kontinuität zu Maduro darzustellen, welcher selbstverständlich formell Staatschef bleibe.

Regime Alteration statt Regime Change

Faktisch baute sie jedoch ihre eigene Machtbasis auf und macht keinerlei Anstalten, nur eine Statthalterin sein zu wollen. Sie hat diverse Maduro-Loyalisten abserviert, darunter den ehemaligen Verteidigungsminister, und mit eigenen Loyalisten ersetzt. Andersherum bleibt jedoch die Hälfte ihres Kabinetts die „alte Garde“, darunter Innenminister Diosdado Cabello, ein Hardliner und Machtzentrum unter Maduro, da er die Polizei und paramilitärische Milizen kontrolliert. Die Neubesetzungen durch Rodríguez sind zudem kaum liberaler; der neue Verteidigungsminister Gustavo González López war früher Geheimdienstchef und galt als "Cheffolterer".

Damit ist der Vorgang in Venezuela weniger jener Regime Change, welchen wir auch in unserem Explainer-Titel andeuten, sondern ist besser durch einen Begriff wie „Regime Alteration“ beschrieben. Eine andere Elitenfraktion übernimmt die Macht, doch diese Fraktion passt einer Einfluss ausübenden ausländischen Partei besser, zum Beispiel, weil sie kooperativer ist. Eine marginale Veränderung des Regimes, kein kompletter Umbruch. Alteration, eben.

Interessanterweise zeigt sich das selbst in der Ikonografie. Bildnisse von Nicolás Maduro und sogar dessen Vorgänger Hugo Chávez verschwinden im gesamten Land, von Plakatwänden und Graffiti. Damit trägt Rodríguez den zweieinhalb Jahrzehnte dominierenden Chavismo sichtbar ab. Anstelle der klassischen Chauvismo-Farbe Rot ist immer häufiger das von Rodríguez präferierte Blau zu sehen; Graffiti-Slogans wie "Chávez lebt" werden durch "Vorwärts, Delcy, du hast mein Vertrauen" ersetzt.

Auch das nominelle Festhalten an Maduro hat spürbar nachgelassen. Rodríguez erwähnt ihn kaum noch. Die Staatsmedien sprechen nicht mehr von einer "Entführung" durch die USA, sondern nennen Maduro nur noch einen "Kriegsgefangenen"; rhetorischer Anti-Amerikanismus hat nachgelassen. Plakate, welche die Freilassung Maduros fordern, sind überraschenderweise aus Caracas verschwunden.

Liberalisierung, zumindest ein bisschen

Unter Rodríguez bleibt Venezuela autoritär, allerdings etwas weniger, als es vor dreieinhalb Monaten der Fall war. Proteste sind plötzlich wieder gestattet, allein im Januar und Februar gab es über 1.200 davon. Ein neues Amnestiegesetz wurde erlassen. Knapp 700 politische Gefangene wurden freigelassen; nur wenige neu verhaftet. Das gesellschaftliche Klima in Venezuela hat sich tatsächlich etwas verändert.

Das hat jedoch seine Limits. Kurz nach der US-Aktion im Januar ließ die Regierung ihre bewaffneten Milizen und Schlägerbanden auf den Straßen patrouillieren und Journalisten sowie Ausländer regelrecht jagen – ein Versuch, ihre Kontrolle zu behaupten. Die Proteste lässt die Regierung zwar gewähren, doch reagierte jüngst mit einem Gegenprotest, bei welchem Staatsbedienstete zur Teilnahme gezwungen wurden.

Knapp 480 politische Gefangene verbleiben in Haft. Diverse prominente Oppositionsfiguren fallen nicht unter das Amnestiegesetz, darunter die im Exil befindliche Nobelpreisträgerin María Corina Machado, da sie nach einer ausländischen bewaffneten Intervention gerufen hatte, was das Gesetz ausschließt. Auch das Amnestiegesuch ihres Anwalts Perkins Rocha wurde abgelehnt, er verbleibt im Hausarrest.

Wozu die Eile?

Insgesamt ist Venezuela damit tatsächlich etwas weniger repressiv geworden. Doch die Regierung spricht offen davon, dass politische Liberalisierung derzeit keine Priorität sei. Stattdessen gehe es um die Wirtschaft. Auch Wahlen könne es erst geben, wenn ein „wirtschaftlicher, sozialer und politischer Konsens“ gefunden worden sei, so die neue Bildungsministerin Ana María Sanjuán. Das ist vage, und genau das ist wohl auch das Ziel. Die Regierung beteuert zwar, dass Wahlen Teil ihrer „Vision“ seien, doch versucht mindestens, sie hinauszuzögern (bzw. die öffentliche Erwartung an sie zu zerstreuen). Womöglich würde sie lieber komplett auf sie verzichten.

Gut zu wissen: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Meganálisis würde Oppositionsführerin Maria Corina Machado in einer Wahl 82,4 Prozent der Stimmen erhalten, Rodríguez nur 4,8 Prozent.

Ein großer Faktor sind die USA. Die Trump-Regierung übt nach ihrer erfolgreichen Intervention weitreichenden Einfluss auf das Land aus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit erklärt das teilweise die beobachtbare Liberalisierung: Ein heftiges Niederschlagen der Proteste würde Washington vermutlich nicht tolerieren, allein schon, da das Präsident Donald Trumps außenpolitischen Erfolg schmälern würde („Venezuela hat so unglaublich gut funktioniert“, jubelte er vor Kurzem).

Andersherum machen die USA aber auch kaum erkennbaren Druck für weitere Liberalisierung. Trump spricht gar nicht mehr von Wahlen, Außenminister Marco Rubio nur unbestimmt davon, dass es sie irgendwann in der Zukunft geben soll. Trump nennt Rodríguez „großartig“ und lobt ihre „fantastische Arbeit“. Persönliche Sanktionen gegen die Interimspräsidentin haben die USA Ende März aufgehoben (kurz nachdem sie zum ersten Mal seit sieben Jahren ihre Botschaft in Caracas wiedereröffneten). Der Economist zitiert einen westlichen Diplomaten damit, dass die amerikanischen Konterparts in Venezuela „überhaupt nicht auf Demokratie fokussiert“ seien.

Warten auf die Wirtschaft_

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Quelle: wikimedia
Investoren aus dem Norden

Stattdessen geht es den USA ums Geschäft. Die Trump-Regierung macht kein Hehl daraus, dass es ihr um wirtschaftliche Interessen geht; Trump selbst erklärte die Kontrolle über Venezuelas Öl zum Ziel. Rodríguez hat das Land wirtschaftlich geöffnet, sicherlich auf amerikanischen Druck hin, doch vermutlich auch aus eigenem Antrieb. Amerikanische Investoren äußern nun viel frühes Interesse, besuchen das Land und eruieren Gelegenheiten. Am meisten gilt das für den Rohstoffsektor; seit Januar hat Caracas diesen mit mehreren Gesetzen liberalisiert.

Auf der Resultatsebene hat sich bislang jedoch wenig getan. Die meisten Investoren trauen Venezuela noch immer nicht, sie befürchten politische Instabilität, Rechtslosigkeit und Enteignung durch die Regierung, wie unter Maduro. Kein konkretes, großes Investitionsprojekt ist bereits bekannt. Im Ölsektor, welcher für die USA von größtem Interesse ist, gibt es zwar knapp 20 konkrete Gespräche zwischen ausländischen Investoren und der Regierung, doch offenbar noch in früher Phase. Es hilft nicht, dass Ölprojekte noch immer nur mit hoher Beteiligung des ineffizienten staatlichen Ölkonzerns PDVSA gestattet sind. Die Rodríguez-Regierung hat viel Arbeit vor sich, das Investorenvertrauen zu gewinnen.

Explainer: Venezuela und das Öl (2026)

Neben der Angst vor einer Rückkehr (bzw. einer Fortsetzung) der sozialistisch-kleptokratischen Methoden des Chauvismo, gibt es auch andere Sorgen für ausländische Investoren. Sie wollen schließlich bezahlt werden, was durch amerikanische Sanktionen erschwert wird, und dadurch, dass das US-Finanzministerium die Kontrolle über einen Großteil der venezolanischen Ölumsätze übernommen hat – sie laufen also über amerikanische Konten. Eine Firma, welche bezahlt werden will, müsste langwierige Prüfungen seitens der USA durchlaufen (oder wie fünf große Ölkonzerne eine Ausnahme erhalten).

Viel Potenzial

Für Venezuela und seine Hoffnungen auf eine bessere Zukunft spielt das Interesse ausländischer Investoren eine große Rolle. Ein stärkerer Rohstoffsektor wäre ein wichtiger Schub für das Land, dessen Ölproduktion von 4 Millionen Barrel pro Tag in den 1970ern auf heute unter 1 Million abgestürzt ist, hauptsächlich als Folge von Misswirtschaft, Infrastrukturverfall und der staatlichen Ergreifung von PDVSA. Dass das Fördervolumen im März erstmals seit langem die 1-Million-Marke überstiegen, ist bereits die Folge der veränderten politischen Situation, denn Akteure wie Energiekonzern Chevron (welches von den USA seit Jahren eine Sondergenehmigung besitzt, um in Venezuela zu operieren) steigerten ihre Exporte.

Doch die benötigten Investitionen, um allein auf 3 Millionen Barrel zurückzukommen, beziffert der Analysedienst Rystad auf 183 Milliarden USD. Das ist fast zweieinhalbmal so viel wie Venezuelas geschätztes BIP im Jahr 2025. Ohne ein deutliches Anziehen der ausländischen Investitionen ist diese Summe nicht erreichbar.Grundsätzlich hat Venezuela durchaus das Potenzial für einen kräftigen Wachstumsschub. Aufgrund der Maduro’schen Misswirtschaft operiert das Land stark unterhalb seiner Kapazitäten. Ein Zufluss von US-Dollar und mehr Zugang zu Krediten könnten einen Wachstumsimpuls setzen, welcher sich dann auch in stärkerer Binnenaktivität – also lokalen Investitionen und Privatkonsum – äußert und einen „Engelskreis“ auslöst.

Die Wirtschaft als Wahlhelfer

Wenig überraschend verbinden sich Wirtschaft und Politik zu einem. Die benötigten Investitionen in Venezuela werden nicht stattfinden, solange die Regierung zu instabil oder zu kleptokratisch (im Stile der Vorgängerregierung) wirkt. Auch ein Drift ins Autoritäre ist riskant, selbst wenn er ohne Enteignungen und Co. auskäme und sich nur auf politische Freiheiten beziehe, denn er würde heimische Instabilität oder Sanktionen der USA andeuten, was Investitionen ebenfalls unsicherer macht.

Andersherum benötigt die Regierung die Wirtschaft, um von politischer Liberalisierung abzulenken oder um sie zu überleben, sollte sie unvermeidbar sein. Schon jetzt argumentiert die Rodríguez-Regierung damit, dass der Fokus auf der Wirtschaft liegen müsse, statt auf Liberalisierung. Gleichzeitig hofft sie vermutlich, dass ihr ein kleines Wirtschaftswunder gelingt, und sie damit in Wahlen gehen kann, sollten diese nicht vermeidbar sein. Dazu passt, dass Rodríguez eine Erhöhung des Mindestlohns angekündigt hat.

Der Ausblick_

(2,5 Minuten Lesezeit)

Caracas. Quelle: wikimedia
Hybridsystem voraus

Was ist das realistischste Ergebnis? Perspektivisch ist eine ernstzunehmende Wahl in Venezuela denkbar, insbesondere wenn die USA ihren Druck dahingehend noch erhöhen. Jorge Rodríguez, der Parlamentsschef und Bruder der Interimspräsidentin, stellte jüngst den Vorschlag einer Immunität für Regierungsmitglieder in Aussicht, um Wahlen für sie attraktiver zu machen. Auch die Opposition scheint anzuerkennen, dass Konzessionen notwendig sein werden: Machado spricht davon, dass es „Garantien und Kompromisse“ geben werde.

Ein völlig demokratisches, liberales Venezuela ist möglich, aber derzeit recht weit entfernt. Wahrscheinlicher ist ein Mischmodus, in welchem die Rodríguez-Regierung die Kontrolle behält, doch Oppositionselemente in eine Art Regierung der nationalen Einheit lässt – ein eher autoritäres Hybridsystem. Vermutlich wird die Regierung versuchen, „harmlosere“, moderatere Oppositionsfiguren einzuladen, anstelle der prominenten, international bekannten Dauerkritikerin Machado. Das scheint auch der Trump-Regierung zu passen: Sie priorisiert derzeit allem Anschein nach, dass Venezuela stabil bleibt und eine hinreichend hörige Regierung besitzt. Demokratischer Übergang ist zweitrangig. Machado wird von Washington nicht erkennbar mit Aufmerksamkeit bedacht.

Zu guter Letzt ist auch vorstellbar, dass Venezuela doch wieder autoritärer wird. Eine abgelenkte Trump-Regierung, welcher Caracas weiterhin glaubwürdig die Kooperation zusichert, ließe eventuell doch davon ab, mit Strafmaßnahmen auf Repressionen und niedergeschlagene Proteste zu reagieren. Zu diesen könnte sich Rodríguez verlockt sehen, sobald sie sich sicher ist, dass ihre Macht innerhalb der Elite hinreichend konsolidiert ist. Dann würde es sich in Venezuela nach innen wieder wie unter Maduro anfühlen, nur mit einer nach außen pragmatischeren und proamerikanischeren Linie.

Gut zu wissen: Ein ungewöhnlicher Fall von Kooperation zwischen der Regierung und der Opposition war jüngst beim Umgang mit beschlagnahmten Vermögenswerten in den USA zu beobachten. Beide Seiten stellten in den USA einen Antrag, Verfahren zu stoppen, bei welchen Kläger Ansprüche auf die Vermögenswerte geltend gemacht hatten. Die beiden Seiten wollen zuerst neu organisieren, wer diese Vermögenswerte überhaupt vertritt, also im Grunde für Venezuela spricht – Regierung oder Opposition. Beide haben ein Interesse daran, den Zugriff auf das Vermögen nicht zu verlieren.

Ein Erfolg, bislang

Die Intervention der USA hat die Lage in Venezuela allem Anschein nach tatsächlich verbessert, so zumindest ein allererstes Fazit nach 100 Tagen. Vieles bleibt in der Schwebe, doch erstmals seit langem herrscht im Land ein gewisser Optimismus – und etwas mehr Luft zum politischen Atmen. Die Herausforderungen bleiben allerdings immens, und ein erneuter Autoritarisierungsprozess ist ausdrücklich denkbar.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das neue Venezuela die alten Sorgen ausländischer Investoren zerstreuen und sein Wirtschaftspotenzial etwas mehr realisieren kann. Es wird sich auch zeigen, ob sich mehr politische Liberalisierung und ein konkreter demokratischer Prozess abzeichnen. Ein weiterer großer Moment dürfte die mögliche Rückkehr von Machado ins Land sein: Die Oppositionsführerin befindet sich derzeit in Washington und müsste in Venezuela eigentlich verhaftet werden. Entscheidet sie sich (wie sie es andeutet), öffentlichkeitswirksam zurückzukehren und eine Protestbewegung oder eine formelle politische Bewegung anzuführen, würde das die Regierung zu einer Entscheidung zwingen: Konzessionen in der politischen Liberalisierung oder mehr Autoritarismus?

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