Blitzzusammenfassung_ (in 30 Sekunden)
- Eine neue Ära bei Apple: John Ternus übernimmt nach 15 Jahren für Tim Cook als CEO.
- Seit der Mini-Krise 2024 hat Apple den Kurs korrigiert, es folgten zuletzt Rekordumsätze und -gewinne, das iPhone-Geschäft boomt.
- Die Herausforderungen bleiben dabei dieselben: regulatorische Probleme, Verzögerungen von Innovationen bei Geräten und KI, ein strauchelnder Markt in China.
- Immerhin: Mit dem iPhone 17 eroberte Apple durch Preispolitik und Premium-Fokus trotz schrumpfender Gesamtnachfrage seinen Marktanteil in China zurück.
- Das faltbare iPhone Duo markiert Ternus’ erste Hardware-Innovation, es ist strategisch auf das China-Geschäft abgestimmt.
- Bei KI bleibt Apple vorsichtig, "Hardware First" heißt weiterhin das Prinzip. Siri AI soll ein erstes Erfolgserlebnis in der KI bilden; mittelfristig scheint Apple bei lokal (statt in der Cloud) betriebener KI stark aufgestellt zu sein.
Der Führungswechsel_
(5,5 Minuten Lesezeit)
Beim Tech-Riesen Apple hat sich in den letzten Wochen ein Generationenwechsel vollzogen: Tim Cook, der seit 2011 als Nachfolger von Steve Jobs an der Spitze der Firma stand, ist als CEO abgetreten und überlässt das Feld nach 15 Jahren dem bisherigen Hardware-Chef John Ternus. Ternus ist bereits seit 2001 bei Apple und war im Laufe der Jahre maßgeblich am Aufstieg des Konzerns an die Weltspitze beteiligt. Damit setzt das Unternehmen in bewegten Zeiten auf Kontinuität und Stabilität, sowie auf ein deutliches Bekenntnis zu seinem bewährten Fokus auf Hardware-Produkte. Gerade im Hinblick auf das immer weiter eskalierende KI-Rennen ist das bemerkenswert, denn Apple liegt darin bislang weit hinter seinen Techrivalen und jüngeren Wettbewerbern wie Anthropic und OpenAI zurück.
Ternus’ Berufung auf den Spitzenposten ist damit etwas überraschend, denn manche Analysten hatten im Hinblick auf Apples scheinbares Zurückfallen in der Tech-Industrie einen radikaleren Umschwung erwartet. Ternus steht stattdessen für nachhaltiges Wachstum, langfristige Planung und für die Beibehaltung der Werte, die Apple über 20 Jahre lang an der Spitze des Tech-Booms gehalten haben. Ganz besonders steht er für eine Besinnung auf Hardware und Verbrauchergeräte als Kerngeschäft des Unternehmens – die Neuausrichtung hin zu KI und anderen Dienstleistungen bleibt damit nicht unbedingt aus, aber sie erhält auch keinen Ritterschlag per Führungsentscheidung.
Damit ist Ternus eine beinahe langweilige Personalie, und das vermutlich gewollt. Über den 51-Jährigen ist kaum etwas bekannt; er besitzt keine Social-Media-Präsenz. Medien, stets auf der Suche nach charmanten Narrativen, müssen sich damit abgeben, dass er offenbar zu Studienzeiten Schwimmer war. Ternus ist Statthalter von Apple und kein Tech-CEO, welcher mit seiner persönlichen Marke oder großen, öffentlich vorgetragenen Vision auftritt.
Das Interessante an Apple ist allerdings nicht nur die Staffelstabübergabe, sondern, dass das Unternehmen noch 2024 durch eine auffällige Schwächephase ging. Die whathappened-Redaktion schrieb von einem Scheideweg: Schwächelnde Geschäftszahlen, ein erlahmendes Chinageschäft, regulatorische Schwierigkeiten und eben die leidige KI machten dem wertvollsten Unternehmen der Welt zu schaffen. Nach einer längeren Zeit ohne bahnbrechende Produktinnovationen drohte Apple, den Anschluss zu verlieren – whathappened versuchte sich damals an einer Bestandsaufnahme.
Nicht gegens iPhone wetten
Zweieinhalb Jahre später hat sich die Lage in einigen wichtigen Grundsätzen nicht verändert, könnte zugleich aber nicht unterschiedlicher sein. Zuerst zur Veränderung: 2024 hatte Apple zum ersten Mal in der jüngeren Firmengeschichte vier Quartale hintereinander Umsatzrückgänge verzeichnet, konnte also nicht wachsen. Von dieser historischen Misere ist heutzutage wenig übrig, denn Apple hat sich kräftig erholt. Es meldete im ersten Quartal (Q1) 2026, welches die Weihnachtssaison mitmeint, einen neuen Umsatz- und Gewinnrekord von respektive rund 144 Milliarden und 42 Milliarden USD, mit einem Wachstum bei beiden Metriken von 16 Prozent relativ zum Vorjahreszeitraum. Das jüngste Q3 blieb absolut zwar darunter, doch brachte ein rascheres Profitwachstum (Umsatz: 109 Milliarden USD, +16 Prozent; Gewinn: 29,8 Milliarden USD, +30 Prozent).
Mit etwa 86 Milliarden Dollar Umsatz war Q1 2026 auch das stärkste iPhone-Quartal aller Zeiten – Sorgen um ein Ende der iPhone-Ära scheinen also unbegründet gewesen zu sein. Gleichzeitig bleibt das iPhone-Geschäft für Apple ungebrochen wichtig; mehr als die Hälfte des Unternehmensumsatzes kommt weiterhin aus der Smartphone-Sparte. Finanziell gesehen geht es Apple heute so gut wie noch nie – Tim Cook hinterlässt eine Marktkapitalisierung von über 4 Billionen USD, damit hat er den Unternehmenswert innerhalb seiner Amtszeit verzwanzigfacht. Der Aktienkurs geht wieder solide nach oben, die zeitweise Unterperformance aus 2024 blieb kurzfristig.

Immer Ärger mit den Vorschriften
Die Serie der roten Zahlen aus 2024 hat sich also nicht fortgesetzt,ganz im Gegenteil. Das ist allerdings deswegen überraschend, weil sich an vielen strukturellen Herausforderungen der Vergangenheit wenig verändert hat. So kämpft Apple zum Beispiel noch immer mit denselben regulatorischen Verfahren aus 2024. Die damals eingereichte Monopolklage vor dem US-amerikanischen Justizministerium (DOJ) läuft weiter – es gab in diesem Sommer jedoch erste Klärungsgespräche zwischen Apple und dem DOJ, auch wenn ein Deal bisher noch nicht zustande kam. Tatsächlich gelingt es der Behörde momentan immer wieder, das Verfahren hinauszuzögern.
Apples Situation bleibt damit weiter potentiell vulnerabel. Das Verfahren dreht sich ausgerechnet um Apples größte Cashcow, das iPhone. Konkret geht es um die enge Kontrolle, die Apple über den App Store und das Betriebssystem iOS ausübt, und die es dritten Parteien schwer bis unmöglich macht, Services für das iPhone anzubieten. Noch konkreter meint das unter anderem Zugriff auf die NFC-Funktion für Bankenapps von Drittparteien, die Beschränkung von iMessages auf Apple-Geräte, und die Beschränkung von alternativen App-Stores und plattformübergreifenden Apps.
Auch wenn es momentan dem Unternehmenserfolg noch keinen Abbruch tut, könnte das Verfahren noch weitreichende Folgen haben. Es ist nämlich nicht unwahrscheinlich, dass Apple es verliert. Im Juli 2026 verlor die Firma schließlich bereits ein ähnliches Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Die EU hatte Apple im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) als sogenannten “Gatekeeper” eingestuft, also als Onlineplattform von hoher Bedeutung. Apple hatte dagegen geklagt, weil mit der Einstufung eine Vielzahl an Compliance-Regeln in der EU einhergehen. Diese Klage verlor Apple, und nun muss der Konzern alternative Bezahlsysteme und “Sideloading” auf dem iPhone ermöglichen (letzteres bezeichnet das Aufspielen von Apps aus Drittquellen außerhalb des offiziellen App Stores), und muss den Kabelanschluss aller iPhones in der EU auf den USB-C-Standard umstellen, anstelle des hauseigenen Lightnings. Und wenn regulatorischer Druck in den USA und in Europa nicht genügt: Auch in China gibt es ersten Unmut gegen die Zugangskontrollen des Unternehmens. Im Juni 2026 forderten 48 chinesische Entwickler ein Kartellverfahren gegen Apple, diesmal wegen der hohen Gebühren für den App Store.
Dieser regulatorische Druck zeigte sich 2024 als schwer einzuschätzende Gefahr für die Zukunft.Wenn überhaupt ist diese Gefahr seitdem nur weitaus konkreter geworden, denn der regulatorische Druck hat zugenommen. Doch auch wenn die Herausforderung nicht kleiner geworden ist, zeigt Apple, dass sich damit umgehen lässt. Kennzeichnend ist, dass sich das Unternehmen der Entscheidung des EuGH nicht widersetzt – stattdessen arbeitet es an seiner Compliance und setzt das DMA praktisch um. In einer Demonstration des von der EU gerne beschworenen "Brüssel-Effekts" hat Apple sogar kurzerhand das iPhone weltweit auf USB‑C umgestellt – das war günstiger, als zwei unterschiedliche Standards zu verwalten. Auch in den USA zeigt sich Apple verhandlungsbereit. Die Firma setzt gegenüber Regulatoren also auf Pragmatismus.
Im Umgang mit den Aufsichtsbehörden zeigt sich eine von Apples Stärken:Das Unternehmen kann es sich aufgrund seiner langen Erfolgsgeschichte und hohen Ressourcen leisten, Konflikte zu entschleunigen und sie mit Bedacht auszutragen. Apple benötigt keine Kurzschlussreaktionen, um enge Gewinnmargen zu verteidigen, weil sein Kerngeschäft auf einer soliden und langfristig gewachsenen Marktposition beruht. So ist es möglich, auf Druck von außen zu reagieren, ohne das Kerngeschäft in Gefahr zu bringen. Wie die Zahlen zeigen, hat der regulatorische Druck das iPhone-Geschäft bisher nicht kritisch angegriffen.
Diese Resilienz steckt wohl hinter der gesamten Erholungsentwicklung des Unternehmens, denn es hat sich aus seiner relativen Krise 2024 nicht durch radikale Veränderungen befreit, denn von diesen gab es schlicht keine. Stattdessen hat Apple seit 2024 konsequent und überlegt auf seine bestehenden Stärken gesetzt. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Entwicklung des so entscheidenden China-Geschäftes, das 2024 gar drohte, ganz aus dem Ruder zu laufen.
Alles dreht sich um China_
(5 Minuten Lesezeit)

Der (zweit-)wichtigste Markt der Welt
Apple tat sich 2024 auch in China schwer. Es büßte in dem Jahr rund 25 Prozent seines Absatzes an iPhones in dem Land ein, und musste sich auf ungewöhnliche Preiskämpfe mit aufstrebenden lokalen Konkurrenten einlassen. Das war signifikant, denn China ist mit an die 20 Prozent des Gesamtumsatzes ein wichtiger Markt, genauer der zweitwichtigste nach den USA – und lange Zeit ein Markt mit hohen Wachstumsraten. Heute sind diese Rückschläge aus 2024 wieder mehr als ausgeglichen. Auch dafür sind keine radikalen Umschünge verantwortlich, sondern eine vorausschauende Preispolitik, Vertriebsoptimierung und ein Fokus auf Qualität im Premiumsegment, alles Punkte, bei denen Apple schon seit Jahrzehnten konsistent punkten kann.
Im Jahr 2025 eroberte Apple mit dem iPhone 17 seine Position an der Marktspitze in China beinahe zurück. Es erreichte für das ganze Jahr eine Umsatzsteigerung von 38 Prozent und verpasste mit 16,2 Prozent Marktanteil nur ganz knapp den ersten Platz hinter Huawei mit 16,4 Prozent (und das, obwohl die Huawei-Produkte häufig günstiger sind). Das war Apples stärkste Performance in China seit 2021. Dieses Jahr ging das Wachstum weiter, im ersten Quartal 2026 wuchs der iPhone-Absatz um rund 24 Prozent, womit Apple der mit Abstand am schnellsten wachsende Anbieter im Markt war (im zweiten Quartal, dem bisher letzten mit Ergebnissen, wuchs Huawei etwas schneller als Apple).
Besonders bemerkenswert ist das, weil der gesamte chinesische Smartphone-Markt im gleichen Zeitraum um etwa 4 Prozent geschrumpft ist. Das liegt vor allem an den überall steigenden Preisen für Endgeräte, denn deren Komponenten werden durch den globalen Boom beim Bau von KI-Rechenzentren seit Monaten immer teurer. Besonders Speicherchips und Arbeitsspeicher sind betroffen. Allein in den letzten zwei Monaten sind Huaweis Chips zwischen 20 und 50 Prozent teurer geworden. Damit steigen unweigerlich auch die Preise für Endgeräte.
Ein Lehrstück für die Konkurrenz
Chinesische Smartphone-Produzenten, die vor wenigen Jahren noch drohten, Apple beim Marktanteil abzuhängen, sind davon besonders betroffen. Schon Anfang dieses Jahres zogen chinesische Hersteller wie OPPO und vivo ihre Preise an; die chinesische Regierung führte seitdem sogar Subventionen auf Verbraucherelektronik ein, um den negativen Konsumtrend durch Preissteigerungen abzufangen. Gut für Apple: Auch das iPhone 17 ist förderfähig, was sicherlich zum enormen Erfolg des Unternehmens in China beigetragen hat. Gleichzeitig hat Apple durch Jahrzehnte des vorsichtigen Aufbaus seine Lieferketten weitaus enger unter Kontrolle als seine Konkurrenten. Das Unternehmen hat starke Beziehungen zu seinen Zulieferern, hat ein kompaktes Produktportfolio und entwickelt zusammen mit seinen Zulieferern eigene exklusive Chipreihen. Die Konkurrenten dagegen vertrauen meist auf Drittanbieter und sind vulnerabler gegenüber Entwicklungen am Weltmarkt; nur Huawei ist als wichtiger Chipentwickler hierbei eine Ausnahme.
Durch diese starke Integration seiner Lieferkette kann Apple den globalen Preisanstieg bei elektronischen Komponenten besser abfangen als die allermeisten Rivalen. Diese Flexibilität hat das Unternehmen in China genutzt, um die Trendwende einzuleiten. Das iPhone 17 startete in China preislich günstiger als die meisten Konkurrenzmodelle, obwohl es qualitativ am oberen Ende des Premiumsegments angesiedelt ist. Vor den lokalen Konkurrenten Huawei und Xiaomi ist das iPhone 17 Pro Max mittlerweile das meistverkaufte Smartphone-Modell in China, trotz seines relativ hohen Preises innerhalb der Apple-Produktpalette.
Mittlerweile scheint es, dass sich dieser Trend nur noch verstärkt: Immer höhere Preise bei den Chipkomponenten sorgen dafür, dass Android-Hersteller das für sie bislang so profitable Billig-Segment abbauen und sich dafür auf Profitmaximierung im Mittelklasse- und Premiumsegment konzentrieren. In anderen Worten: Sie nähern sich Apples Strategie. Der Konzern macht derweil unbeirrt weiter, mit einem Fokus auf bewährte Qualitäten, relativ stabilen Preisen trotz eines volatilen Chipmarkts und einem Bekenntnis zum Premiumsegment.
Apple, China und die neue Führung
In diese "konservative" Linie passt auch die Berufung von John Ternus. Ternus ist ein quintessentieller iPhone-Mann – er steht wie kein anderer für das Hardware-Geschäft, welches weiter so zentral bleibt. Ternus ist damit also auch ein Bekenntnis zu China, das mittlerweile für rund 17 Prozent des gesamten Umsatzes des Unternehmens verantwortlich ist, und wo Hardware noch wichtiger als anderswo ist, da Software-Angebote wie Apple TV oder der App Store wahlweise gar nicht oder eingeschränkt existieren.
Auch Tim Cooks neue Position im Unternehmen weist darauf hin. Er bleibt Apple als Executive Chairman erhalten, praktisch als Verwaltungsratsvorsitzender, und will als solcher vor allem für die politischen Beziehungen des Unternehmens verantwortlich bleiben. Darunter fällt das Verhältnis nach Washington, insbesondere zu Präsident Donald Trump, zu dem Cook eine gute persönliche Beziehung hat, aber ganz besonders auch nach China. Denn zu Cooks größten Errungenschaften im Amt gehören die besonders engen Verbindungen Apples in der chinesischen Politik; Cook war ein regelmäßiger Gast in Peking und bei Präsident Xi Jinping, spielte höchstpersönlich eine Rolle darin, dass Apple so viel Marktzugang erhielt.
Zwei Smartphones in einem
Ternus’ allererste Produktpräsentation am letzten Mittwoch – sein erster öffentlicher Auftritt als CEO und bei den ikonischen Keynotes, die Apple zu dem machen, was es ist – stand also auch ganz im Zeichen des iPhones. Neben der neuen Generation 18 war der Hauptdarsteller der Präsentation das iPhone Duo, das erste faltbare Gerät der Reihe. Keine radikale Produktinnovation also, sondern eine Ausweitung des bestehenden Sortiments in eine Nische, die es schon seit sieben Jahren gibt. Apple ist im Geschäft für Falt-Smartphones also eher Nachzügler als Innovationsführer.
Das iPhone Duo ist damit eine Bestätigung zweier Hypothesen dieses Explainers: Es unterstreicht Apples vorsichtige (und erfolgreiche) Strategie, und dessen Fokus auf China. Das Duo ist nämlich ein weiteres Investment in den chinesischen Markt: Während Foldables bisher in Europa und den USA eher Gimmick-Status haben, sind sie in Ostasien enorm populär. In China allein werden mehr Foldables verkauft als im Rest der Welt zusammen. Apple will mit dem Duo weiter auf dem chinesischen Markt das Premiumsegment erobern.
Gleichzeitig bietet die bestehende Popularität von Foldables in China Chancen für das Duo in anderen Märkten: Mit der relativen Sicherheit des chinesischen Umsatzes lässt sich auch der westliche Markt erobern, wo das Gerät bisher noch exotischer erscheint. Immerhin waren Touchscreen-Geräte vor dem iPhone auch nicht besonders populär - vielleicht sind Foldables zum Beispiel in Europa also eine Randerscheinung, weil es bisher keinen Apple-Folder gab? Das Duo ist also weit mehr als ein Gimmick oder ein Aufspringen auf einen Trend: Es ist die Umsetzung von Apples Strategie der letzten Jahre in Hardware-Form.
Die Sache mit der KI_
(4 Minuten Lesezeit)

Apples Herausforderungen
In der Kurzfrist kämpft Apple mit Verwerfungen in seiner ansonsten so robusten Lieferkette. Der KI-Boom sorgt für besagte hohe Nachfrage nach Speicherchips und anderen Elektronikkomponenten, und auch wenn Apple damit besser klarkommt als die meisten Rivalen, so spürt es die Schwierigkeiten ebenfalls. Ende Juni musste der Konzern eine seltene Preiserhöhung umsetzen – wenn auch nur bei iPads und Macs, und nicht beim wichtigen iPhone. Für Ternus wird der Umgang mit dieser Angebotsknappheit eine erste akute Aufgabe.
Zweitens achten Beobachter darauf, wie die Machtverhältnisse bei Apple liegen werden. Wie wir bereits schrieben, bleibt Tim Cook in prominenter Position erhalten. Der Ex-CEO sieht sich zwar in einer eher unterstützenden Rolle – als Zuflüsterer für Staatschefs, eben – und spricht Ternus viel authentisches Vertrauen aus, doch könnte er in Zukunft dennoch als zweites Machtzentrum verstanden werden. Insbesondere in Krisenmomenten könnte das Ternus schwächen und Apple volatiler wirken lassen.
Drittens, und die gewichtigste Herausforderung, ist der Umgang mit der KI-Ära. Sie ist es, welche Apples Lieferkettenprobleme auslöst, da Chipfirmen heute die Rechenzentrumsbetreiber priorisieren. Sie sorgt zudem für einen auffälligen "Brain drain" bei Apple, welches allein OpenAI vor Gericht vorwirft, über 400 frühere Mitarbeiter abgeworben zu haben – für viele Talente dürfte es intellektuell und finanziell reizvoll sein, bei den KI-Technologieführern mitzumischen.
Anwendungen statt Speerspitze
Vor allem hat Apple sich noch immer nicht in seiner Rolle in der KI-Ära etabliert. Nur eines steht fest: Bei der Entwicklung großer Sprachmodelle (LLMs) wird Apple auf absehbare Zeit kein relevanter Player sein. Das war 2024 noch nicht klar; die whathappened-Redaktion spekulierte damals etwa, dass Apple gut aufgestellt sei, um bei Generative AI "hinreichend mitspielen" zu können. Zweieinhalb Jahre später ist es allerdings weiterhin vernachlässigbar. Die interne Entwicklung von LLMs scheint zu stocken; Berichte über Unzufriedenheit in Apples KI-Team häufen sich. Insider sprechen von fehlender Ambition, Risikoaversion, Zuständigkeitsunklarheiten und schwacher Arbeitsethik. Selbst wenn die Vorwürfe nicht stimmen mögen: Allein, dass sie von innen aufgeworfen werden, zeigt die organisationellen Probleme auf.
Für Apple bleibt damit auf absehbare Zeit nur die Rolle des "Anwenders", welcher KI-Innovationen nicht vorantreibt, sondern in Produkte verwandelt, die Endnutzer dann tatsächlich verwenden. Also nicht das neueste LLM, aber dafür die smarte Smartwatch oder die leistungsfähige Foto-App, welche besagtes LLM einsetzen. Das wäre der sogenannte "application layer" von KI. Entsprechend schloss Apple Anfang 2026 ein Bündnis mit dem großen Rivalen Google, um dessen Gemini-Modelle zu integrieren. Die Rolle als "Anwender" muss keineswegs ein Problem sein: Apple gibt dann zwar Kontrolle über die Technologie und ihre Innovationsrichtung auf, doch worum es dem Unternehmen am Ende des Tages geht, ist, wie es seine Produkte durch KI effizienter, leistungsfähiger oder nutzerfreundlicher macht. Das geht im Zweifelsfall mit "fremder" Technologie genauso gut oder sogar besser.
Das Schmerzhafte für Apple ist jedoch, dass selbst die reine Integration von KI-Funktionalitäten bislang nicht sonderlich gut lief. Die für 2025 geplante Modernisierung des Sprachassistenten Siri musste Apple auf das Folgejahr verschieben, weil der Entwicklungsstand den eigenen Ansprüchen noch nicht genügt hatte. Das war ein seltenes öffentliches Eingeständnis des Versagens. Apple Intelligence, das groß angekündigte KI-Ökosystem des Konzerns, ist bislang kaum an den Start gekommen. Am 14. September (also dem Tag nach Erscheinen dieses Explainers) dürfte es mit iOS 27 zwar endlich so weit sein, wenn auch aus regulatorischen Gründen erst einmal weder in der EU noch in China. Doch allein die Tatsache, dass auch ein weiteres Verzögern nicht mehr schockiert hätte, ist für Apple ein Reputationsverlust.
Siri AI, völlig local
Das Unternehmen dürfte hoffen, dass Siri AI die unangenehmen Diskussionen über Apples Non-Existenz im Megathema KI vorerst beenden und Apples Ankunft im KI-Zeitalter markieren wird. Tatsächlich gibt es erste Anzeichen, dass Apple zum ersten Mal an den Diskussionen bezüglich der Anwendung von KI teilhat. Denn gleich mehrere Features wandeln an der Grenze zu auffällig invasiven Anwendungsformen: "Live Rewind" erlaubt es Nutzern von Apple Watches, die letzten gesprochenen 15 Sekunden zu transkribieren; und "Siri Recap" kann automatisch Zusammenfassungen von Konversationen (also keine exakten Transkriptionen) anfertigen. Die Endgeräte und ihre KI-Systeme sind also "always-on"; hören dem Nutzer und seiner Umgebung permanent zu. Apple verspricht zwar, dass mit den Daten absolut sicher umgegangen würde, doch der Konzern trägt zumindest dazu bei, solche "always-on"-Funktionalitäten zu popularisieren. Das wäre bislang der größte und einzige Apple-Stempel auf die KI-Ära, doch es wird vermutlich nicht der letzte bleiben.
Eine Zukunftsperspektive: Apple könnte ein großer Akteur bei "Local AI" werden, also KI-Modellen, welche direkt auf Endgeräten laufen, statt in der Cloud und in großen Rechenzentren gehostet zu werden. Das erlaubt z.B. mehr Datensicherheit und die Offlinenutzung von KI. Mit 2,5 Milliarden aktiven Geräten in aller Welt und einer auffälligen Leistungsfähigkeit seiner Mac-Laptops beim Betreiben von KI-Modellen scheint Apple hier stark aufgestellt zu sein – zumindest genug, damit Nvidia das Unternehmen als größten Rivalen bei Local AI beschreibt. Womöglich umwirbt Apple seine Kunden in Kürze damit, dass KI-Nutzung auf Apple-Geräten keinen Datenabfluss zu OpenAI und Co. bedeutet, sondern alle Daten auf dem Gerät selbst belässt.
Ein Fazit_
(1 Minute Lesezeit)
Die Krise aus 2024 ist überwunden, zumindest überwiegend. Apples Geschäftszahlen laufen wieder gut, vor allem wenn man berücksichtigt, wie sehr die gesamte Branche unter Lieferkettenproblemen und einem angespannten chinesischen Markt leidet. Strukturelle Schwierigkeiten bleiben allerdings, darunter regulatorische Aufmerksamkeit und Konkurrenz um Talente durch die KI-Firmen.
Im Bereich KI bleibt Apple ein Nachzügler, welcher seine Ambitionen bei der LLM-Entwicklung aufgegeben zu haben scheint. Inwieweit das Unternehmen auf Anwendungsebene Erfolge erzielen wird, zeigt sich mit der Einführung von Siri AI erstmals in den kommenden Wochen, nachdem die letzten vier Jahre vergessenswert gewesen sind. Mit Local AI gibt es eine vielversprechende Stoßrichtung, um dem Sektor doch noch technologisch einen eigenen Stempel aufzusetzen, doch derzeit gibt es keine Garantie, dass sich dieses Konzept tatsächlich durchsetzt.
Nicht in Panik verfallen
Apple scheint an all das mit auffälliger Vorsicht heranzutreten. Es tätigt keine radikalen Verzweiflungstaten, weder im Umgang mit Regulatoren, noch mit dem Produktportfolio oder mit KI (auch das iPhone Duo fügt sich recht intuitiv in die bestehende Strategie ein). Apple hätte wie seine Techkonkurrenz Hunderte Milliarden in Rechenzentren stecken und sich in wilde Talentkriege begeben können, um mit Gewalt eine KI-Sparte hochzuziehen, doch es verzichtete darauf. Sogar der neue CEO, John Ternus, ist als relativ obskurer Hardware-Chef eine Personifizierung dieser konservativen Strategie. Das muss keineswegs verkehrt sein: Seit dem revolutionären iPhone-Moment im Jahr 2007 waren es inkrementelle Produktinnovation, stetige Designexzellenz und finanzielle Disziplin, welche Apple nie aus der Top 3 der wertvollsten Unternehmen der Welt haben fallen lassen.
Weiterlesen
Explainer zu KI
Die USA und China im "Kalten KI-Krieg" (2026)
Was ist eigentlich ein Rechenzentrum? (2026)
Der historische SpaceX-Börsengang (2026)
Das Jahr der Mega-IPOs (2026)
Anthropic: Was macht die KI-Firma aus? (2026)
Steckt die KI in einer Blase? (2025)
Der Krieg um Talente in der Künstlichen Intelligenz (2025)
Das Internet der Zukunft (2025)
Was bedeutet KI für die menschliche Intelligenz? (2025)
Wie steht es um die Adoption von KI? (2024)
Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz (2023)
Apple am entscheidenden Moment (2024)
Nvidia auf dem Gipfel (2024)
OpenAI und der Streit um die Zukunft der KI (2023)
Explainer zu anderen Technologien
(Xeno-)Transplantationen: Was ist der Stand? (2025)
Die Zukunft der Atomenergie: Small Modular Reactors (2024)
Novo Nordisk und das Ende der Adipositas (2024)
Arm: Der wichtigste Chipdesigner der Welt (2023)
Die Zukunft der Atomenergie: Die Endlagerung (2023)
Das Ende der Atomenergie (2023)
Die Weltraumindustrie und der Staat (2022)
Die Privatisierung der Raumstationen (2021)
Die Chipindustrie und die Juwelen der Moderne (2021)
Die goldene Ära der Cyberunsicherheit (2021)
Future of Food (2021)
Explainer zu einzelnen Unternehmen
Der historische SpaceX-Börsengang (2026)
Anthropic: Was macht die KI-Firma aus? (2026)
Rheinmetall in der neuen Ära (2026)
DefenseTechs: Die neue Generation der Rüstungsfirmen (2025)
Berkshire ohne Buffett (2025)
TikTok: Gefahr oder Schreckgespenst (2025)
Wird die Commerzbank gekauft? (2024)
Die Krise bei VW (2024)
Novo Nordisk und das Ende der Adipositas (2024)
Apple am entscheidenden Moment (2024)
Nvidia auf dem Gipfel (2024)
OpenAI und der Streit um die Zukunft der KI (2023)

.avif)
