November 8, 2026
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17 Minuten Lesezeit

Wohin steuert der Irankrieg?

Drei Szenarien.
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Blitzzusammenfassung_ (in 30 Sekunden)

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  • Der Irankrieg befindet sich derzeit in einem instabilen Gleichgewicht: limitierte Gewaltausbrüche, doch intensiver wirtschaftlicher Abnutzungskrieg.
  • Die USA halten eine Marineblockade iranischer Häfen aufrecht, Iran setzt die Straße von Hormus und die regionale Infrastruktur unter Druck (teils mittels verbündeter Milizen).
  • Drei Szenarien sind prüfenswert. Eine große Eskalation im Stile der ersten Kriegsphase bis April, eine diplomatische Lösung oder der Status quo.
  • Gegen eine Eskalation spricht, dass bereits die vorherigen Runden ein zweifelhaftes Kosten-Nutzen-Verhältnis für die USA hatten; und sie für Iran äußerst riskant wäre.
  • Ein Abkommen ist schwierig, da zwischen beiden Seiten kaum Vertrauen und wenig Verhandlungsraum existieren. Ein gewisser Einflussverlust Irans in der Straße von Hormus weitet diesen Raum womöglich etwas aus.
  • Am wahrscheinlichsten wirkt der Status quo: Beide Seiten, vor allem aber die USA, hoffen, den wirtschaftlichen Druck so aufrechterhalten zu können, dass die Gegenseite zu Konzessionen gezwungen wird.
  • Zeigt sich die Gegenseite jedoch unerwartet lange resilient, könnte der Konflikt realistisch noch monate- und jahrelang weitergehen, punktuiert von limitierten Gewaltausbrüchen und instabilen, kleineren Verhandlungsergebnissen.

Mit dem Abschluss der Zwischenwahlen in den USA befindet sich der Irankrieg an einem Scheideweg. Der Krieg ließe sich aktuell rein nach kinetischer Gewalteinwirkung als "niedrigschwellig" beschreiben: Außer kleinerer Luftschläge und iranischer Attacken gegen die Schifffahrt in der Straße von Hormus gab es größere Gewaltausbrüche zuletzt vor einigen Wochen, und auch sie blieben eher begrenzt. Die Intensität des vollwertigen Krieges aus dem Frühjahr ist nicht wiedergekehrt. Andererseits ist der Krieg für die geopolitische Lage im Nahen Osten und für die Weltwirtschaft noch immer höchst akut – keineswegs niedrigschwellig – und zudem an einem Punkt, an welchem er drei verschiedene Routen einschlagen kann: Eskalation, Abkommen und Erstickung. Wir strukturieren die Phasen des Irankriegs, erklären die heutige Lage und skizzieren die Szenarien für die Zukunft.

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‍Der Rückblick_

‍(5 Minuten Lesezeit)

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‍Phase 0: Der Kontext des Irankriegs‍

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‍Mit der Islamischen Revolution 1979 stürzte im Iran die säkulare, prowestliche Regierung des Shahs. Eine Klerikerkaste um einen zentralen Ayatollah schuf eine schiitische Theokratie, militärisch gestützt von den neu geschaffenen, loyalen Revolutionsgarden (IRGC). Die Kleriker und der IRGC waren in den Folgejahrzehnten die Machtzentren, sowohl was die politische als auch die wirtschaftliche Macht anging. Daneben existiert eine zivile Regierung (zu welcher der Präsident gehört), mit über die Jahrzehnte variierendem Einfluss, und eine reguläre Armee in Parallelstruktur zum IRGC.

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‍Der neue Iran geriet als aufstrebendes großes Land und als schiitisch-islamistisches System früh in Konflikt mit seinen Nachbarn und anderen Regionalmächten. Zum einen der Konflikt mit Israel und den USA, zum anderen jener mit den sunnitischen Staaten des arabischen Nahen Ostens. Mit Israel äußerte sich das in gegenseitigen Geheimdienstaktionen im sogenannten Schattenkrieg; mit den arabischen Staaten in Einflussoperationen und der Unterstützung feindseliger Proxymilizen, doch im heftigen Iran-Irak-Krieg 1980–1988 auch in (defensivem) militärischem Konflikt.

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‍In den vergangenen Jahrzehnten operierte Iran primär über ein Netz aus regionalen Milizen und Partnern, mit welchen es bis 2024 so regional einflussreich wie noch nie in der modernen Geschichte zu sein schien. Sein Einfluss erstreckte sich über Irak, Syrien, den Libanon, die Palästinensergebiete und Jemen. Mittels der dortigen Milizen setzte es insbesondere Saudi-Arabien und Israel unter Druck.

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‍Einen offenen Konflikt vermied Teheran jedoch stets: Das System unter Ayatollah Khamenei agierte gegenüber dem Westen auffällig vorsichtig, auch nachdem ein diplomatischer Anlauf mit dem Atomabkommen von 2015 (JCPOA) nach wenigen Jahren gescheitert war. Iran verzichtete, sich 2023/24 allzu stark in den Gaza- und Libanonkrieg einzumischen, obwohl sich dort die verbündeten Milizen Hamas und Hisbollah mit Israel bekriegten. Es versuchte kaum, die Ende 2024 stürzende Assad-Regierung in Syrien zu stabilisieren.

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‍Und als Israel 2025 im 12-Tage-Krieg – mit limitierter Unterstützung der USA – heftige Angriffe auf Iran flog, um einen Schwächemoment des Landes strategisch zu verwerten, reagierte Teheran regelrecht zurückhaltend. Iran schien an seinem "Regime Survival" im Falle eines größeren Konflikts zu zweifeln, aufgrund seiner desolaten Wirtschaftslage, der regelmäßigen, heftigen Protestwellen in der Bevölkerung und der militärisch-geheimdienstlichen Kapazitäten Israels und der USA. Beobachter, darunter auch die whathappened-Redaktion, sahen Iran Anfang 2026 in einer prekären Lage.

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Phase 1: Offener Krieg, regionale Eskalation (28. Februar – 7. April)‍

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‍Die USA und Israel begannen am 28. Februar 2026 heftige Luftangriffe und Geheimdienstaktionen gegen Iran. Sie töteten weite Teile der Führung, inklusive Ayatollah Ali Khamenei, und zerstörten größere Militärinfrastruktur, z.B. Raketenabschussrampen, Luftabwehrsysteme, Kommandozentren und die Marine. Iran vergalt das mit schweren Angriffen auf Israel und auf US-Militärstützpunkte (letztere offenbar überraschend erfolgreich), aber auch mit konsequenter regionaler Eskalation: Es nahm zahlreiche Länder der Region unter Beschuss, insbesondere die VAE, Qatar und Saudi-Arabien.

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‍Trotz schwerer Schäden im Land zeichnete sich ab, dass sich das Regime in Teheran stabilisieren kann. Mit der faktischen Sperrung der Straße von Hormus, deren Schiffsverkehr von rund 80 bis 100 Schiffen pro Tag auf zeitweise null, meist jedoch einstellige Zahlen, fiel, erreichte es eine Verdopplung der globalen Öl- und Gaspreise und eine heftige innenpolitische Reaktion in den USA.

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‍Binnen einiger Wochen wechselt dadurch das Narrativ: Die USA versagen darin, klare Ziele für den Irankrieg zu formulieren. Das Fortbestehen der Theokratie, Irans effektive Angriffe auf die Region und vor allem die Straße von Hormus lassen Iran als die Seite mit Eskalationsdominanz erscheinen. Die USA wirken hingegen überfordert und erratisch; sie fluktuieren zwischen Eskalationsversuchen (bis hin zu Nixonscher "Madman theory", als Trump mit der "Vernichtung einer Zivilisation" drohte) und Entspannungssignalen, mitunter binnen weniger Stunden.

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‍Gut zu wissen: Unser Explainer "Was wir vom Irankrieg lernen" aus Juni 2026 diskutierte mehrere strategische Fehlschlüsse der USA.

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‍Phase 2: Verhandlungen, Nadelstiche (8. April – Ende Juni)‍

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‍Am 7. April gingen die USA und Iran eine Waffenruhe ein, mit der Wiedereröffnung der Straße von Hormus als zentralem Element. Wohl als Beweis dafür, dass Iran sich in starker Position vis-à-vis den USA sah, verstieß es binnen weniger Tage gegen die Waffenruhe und sperrte die Straße von Hormus erneut, um Israel zu einem Stopp der Kampfhandlungen gegen die Hisbollah im Libanon zu bewegen.

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‍Die USA nahmen im Gegenzug am 13. April eine vollständige Marineblockade iranischer Häfen auf. Entlang des Golfs von Oman (praktisch hinter der Straße von Hormus) sperrten sie Schiffe vor dem Anlaufen oder Auslaufen iranischer Häfen, und ließen damit die Ölexporte des Landes zum Erliegen kommen.

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‍Trotz dieser Einschränkungen hielt die Waffenruhe weitestgehend, was die Gewalteinwirkung anging. Der Krieg ging in eine neue Phase über: Keine hochintensiven, weitflächigen Angriffe mehr wie bis April, sondern maritime Blockaden und punktuelle Gewaltausbrüche.

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‍Der größte diplomatische Durchbruch wurde im Juni erzielt: Am 17. Juni gaben beide Seiten ein Memorandum of Understanding (MoU) bekannt. Es sah einen Stopp der Kampfhandlungen sowie ein Ende der Sperrung der Straße von Hormus und der Marineblockade vor. Es versprach im Zuge eines binnen zwei Monate auszuhandelnden "Final Deal" finanzielle Anreize für Iran (genauer: Sanktionslockerung, entfrorene Vermögenswerte und Wiederaufbauhilfen) und Diskussionen über das iranische Atomprogramm für die USA.

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‍Das MoU sorgte für eine deutliche Erleichterung in der Region und an den globalen Märkten, allerdings nur für etwa zwei Wochen, bevor es faktisch zerfiel. Die Beschlüsse waren zu vage und die beiden Seiten kollidierten darin, wie die Kontrolle über die Straße von Hormus zu interpretieren sei. Der Status quo ante zwischen April und Juni kehrte zurück: Iran nahm erneut Angriffe auf die Schifffahrt und gegen die Region auf, die USA attackierten Ziele in Iran. Doch keine Seite suchte die Eskalation auf das Niveau von Februar bis April.

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Phase 3: Equilibrium und Erstickung (Ende Juni – heute)‍

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‍Mit dem Zusammenbruch des MoU ging der Irankrieg in ein instabiles Gleichgewicht über, das bis heute hält. Beide Seiten schienen anzuerkennen, dass akzeptable, robuste Verhandlungsergebnisse derzeit nicht möglich sind, sie aber zugleich vorerst keine große Eskalation einzugehen bereit sind. Punktuiert von gelegentlichen Gewaltausbrüchen ging der Krieg damit in eine relativ passive Phase über. Mit drei Ausnahmen: Die USA intensivierten ihren wirtschaftlichen Abnutzungskrieg gegen Iran (die "Erstickung"); Iran versuchte, seine Hebel gegen die Welt- und regionale Wirtschaft zu bewahren; und der Konflikt weitete sich auf den Jemen aus. Dazu gleich mehr in der heutigen Lagebeschreibung.

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Die Lage heute_

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‍Die politische Lage‍Wer ist eigentlich gemeint, wenn derzeit von "Iran" die Rede ist? Von außen ist das nicht klar einzuschätzen, doch es gibt intuitive Annahmen. Auf den getöteten Ali Khamenei folgte sein Sohn Mojtaba Khamenei als Ayatollah nach. Er ist seit Kriegsausbruch nicht gesehen worden, was uneindeutig macht, ob er überhaupt lebt. In jedem Fall haben die Revolutionsgarden (IRGC) an viel Einfluss gewonnen, und mit ihnen Hardliner-Fraktionen, die jeglicher Annäherung an den Westen und die arabischen Golfstaaten zutiefst skeptisch gegenüberstehen.‍

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Wichtige Persönlichkeiten sind z.B. Mohammed Bagher Zolghadr, Chef des Sicherheitsrats, und IRGC-Kommandeur Ahmad Vahidi. Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf wird manchmal als Pragmatiker bezeichnet, da er der neue Chefunterhändler ist, doch vor Kriegsausbruch galt er selbst als radikaler Hardliner. Obwohl in der iranischen Führung weiterhin unterschiedliche Fraktionen existieren dürften, lassen sich von außen derzeit also fast nur Hardliner erkennen.

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‍Und die iranische Opposition? Spielt aktuell keine Rolle mehr. Die Führung hat eine selbst für iranische Verhältnisse beachtliche Repressionskampagne gestartet, mit welcher sie ein Wiederaufflammen der Protestbewegung nach Kriegsausbruch bisher erfolgreich verhindert hat.

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‍In den USA ist die Exekutivmacht klar, sie liegt bei Präsident Donald Trump, welcher die Außenpolitik stärker noch als frühere Präsidenten personalisiert. Die Zwischenwahlen haben die innenpolitische Logik jedoch etwas geändert. Trump könnte nunmehr stärker eingehegt sein, oder andersherum risikoaffiner auftreten  – dazu gleich mehr in der Prognose.

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Die militärische Lage‍

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‍Der Verzicht auf eine militärische Eskalation in den vergangenen Monaten dürfte auch mit der Notwendigkeit, Militärkapazitäten wiederaufzustellen, verbunden gewesen sein. Die Kapazitäten beider Länder sind reduziert. Bei den USA ist das entlang einiger Kategorien gut bekannt: Raketen und Luftabwehrmunition sind in teils kritischem Maße aufgewandt worden, was einen großen Teil der über 47 Milliarden USD an Kosten ausmacht (Stand Ende Oktober).

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‍Auch Irans Kapazitäten dürften getroffen sein, doch im Detail ist das schwierig einzuschätzen. Die Drohnenstarts des Landes fielen laut USA zwar kurz nach Kriegsbeginn bereits um 83 Prozent, doch das muss nicht bedeuten, dass das Drohnenprogramm dermaßen dezimiert wurde (es könnte z.B. einfach eine operative Entscheidung dargestellt haben). Analysten sehen Irans Drohnenindustrie zwar durchaus als geschwächt, doch binnen einiger Monate wiederaufgebaut. Bezüglich des Raketenprogramms berichtete die New York Times im Mai mit Bezug auf Geheimdienstquellen, dass Iran trotz amerikanischen Beschusses auf 70 Prozent seiner mobilen Abschusssysteme und 70 Prozent seiner Raketen sowie Marschflugkörper zurückgreifen könne. Grundsätzlich gibt es derzeit keine Gründe zur Annahme, dass die USA ohne extremen Materialeinsatz imstande wären, Iran militärisch zu zerschlagen.

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‍Der Wirtschaftskrieg

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‍‍Die USA verlautbarten im August einen "Economic D-Day", was den Strategiewechsel zu einem wirtschaftlichen Abnutzungskrieg meinte. Die Marineblockade im Golf von Oman und intensivierte Sanktionen sollten Teheran dermaßen unter Druck setzen, dass es keine andere Wahl besitzt, als unter schlechten Vorzeichen an den Verhandlungstisch zu treten. Und sie sollten Iran den Wiederaufbau seiner Militärkapazitäten erschweren, auch wenn wir wissen, dass es durch ein Schattennetzwerk aus über 5.000 Behörden und Firmen noch immer viel Militärmaterial ins Land geschmuggelt bekommt, vornehmlich aus China, Russland und Deutschland.

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‍Und tatsächlich: Irans Ölindustrie ist aufgrund der Marineblockade erwiesenermaßen unter schwerem Druck, wie verlassen herumschwimmende iranische Tanker in Südostasien und Monate an Satellitenbildern leerer Ölterminals am wichtigsten Exporthub Charg zeigen. Die iranischen Staatsumsätze fallen, und das trifft die Fähigkeit des Landes, aufzurüsten und öffentliche Dienstleistungen zu erbringen. Die VAE haben derweil alle finanziellen und kommerziellen Verbindungen zu Iran verboten, was die meist durch Dubai laufende Schattenfinanzierung des Landes eindämmen soll.

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‍Iran erwidert den Wirtschaftskrieg, kämpft allerdings damit, dass sein Zugriff auf die Straße von Hormus heute etwas geringfügiger ausfällt. Inzwischen hat sich eine Industrie rund um riskante, komplexe Lieferungen aus dem Persischen Golf (und hinein) gebildet. In sogenannten Shuttling-Manövern transportieren bestimmte Tanker das Öl der arabischen Golfstaaten durch die Straße von Hormus, nahe an der Küste Omans, diskret und ohne Identifikationssignal, und geschützt durch das amerikanische Militär. Auf der anderen Seite verladen sie das Öl auf andere Schiffe, die das Öl in die ganze Welt bringen und die Meeresenge nie betreten. Das Risiko bleibt damit bei einer kleinen Zahl an Schiffen, welche sich die Manöver kräftig vergüten lassen.

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‍Das Ergebnis ist, dass wieder reichlich arabisches Öl aus dem Persischen Golf fließt, nämlich so viel wie vor Kriegsausbruch, und zwar größtenteils wieder durch die Straße von Hormus. Iran attackiert die Schiffe zwar – genauer, so häufig wie noch nie und mit immer neuen Methoden – und hält damit Risiko und Transportpreise hoch, doch es kann den Transport bislang nicht maßgeblich unterbinden. Auch wenn es denkbar ist, dass Iran hier noch Eskalationsspielraum besitzt, deutet die Dynamik an, dass es an effektivem Einfluss über die Straße von Hormus eingebüßt hat.

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Mehr noch, die Straße von Hormus verliert generell progressiv an Bedeutung. Teilweise, weil Saudi-Arabien, die VAE und Irak andere Wege finden, ihren Export durchzuführen: existierende Pipelines (vornehmlich die saudi-arabische East-West-Pipeline), der Bau neuer Pipelines und der Einsatz von Straßenverbindungen. Diese Ausweichinfrastruktur wurde allerdings selbst regelmäßig Ziel iranischer Angriffe.

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‍Wichtiger ist daher, dass andere Produzenten in die Marktlücke einspringen und sich der Markt generell umstrukturiert. Insbesondere US-Firmen produzieren deutlich mehr Gas, welches sie als Flüssiggas (LNG) an den Weltmarkt bringen (LNG lässt sich zudem weitaus schwieriger per diskretem Shuttling aus der Straße von Hormus manövrieren). Firmen und Kunden in aller Welt bauen ihre Lieferketten dahingehend um, resilienter gegenüber Schwierigkeiten in der Straße von Hormus zu sein. All das senkt die Relevanz der Straße von Hormus, was auch iranische Verhandlungsmasse vom Tisch nimmt – teils bereits heute, teils langfristig.

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Der Faktor Jemen‍

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‍Die Houthis, die proiranische Miliz, welche den Norden des Jemens kontrolliert, trat im Juli in den Krieg ein. Nach Luftangriffen auf den Flughafen Sana'a, welche zwar die international anerkannte Regierung Jemens für sich beanspruchte, begannen die Houthis Attacken auf Saudi-Arabien und blockierten den Export des Landes über das Rote Meer in Richtung Indischer Ozean, entlang der Bab-el-Mandeb-Straße. Die Gruppe dürfte hoffen, ihre strategische Position im zuvor eingefrorenen jemenitischen Bürgerkrieg zu verbessern, jedoch auch gegenüber dem großen Feind Saudi-Arabien. Riad hat bislang keine Lösung auf die Houthi-Attacken gefunden und leidet unter gesperrten Flughäfen, abgesagten Konferenzen und teurerem Export.

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‍Die Houthis sind für Iran ein Weg, den Druck auf die Gegenseite hochzuhalten. Nämlich unmittelbar auf Saudi-Arabien und mittelbar auf die USA: Erstens, weil Riad Washington stärker zu Verhandlungen drängen könnte; zweitens, über den Effekt auf die Energiepreise. Die Houthi-Sperrung der Bab-el-Mandeb-Straße ist zwar nicht annähernd so weitreichend wie jene der Straße von Hormus es einst war, doch sie fügt dem Druck für die globalen Rohstoffmärkte hinzu. Genauso die Attacken auf Raffinerien und andere Infrastruktur in Saudi-Arabien (die Beschädigung der East-West-Pipeline erfolgte jedoch durch proiranische Milizen im Irak).

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‍Gut zu wissen: Mehr dazu in unserem aktuellen Explainer "Saudi-Arabien in der Bredouille"

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Wie es weitergeht_

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Auf dem Weg in den Nahen Osten: USS George Washington. Quelle: Commander, U.S. 7th Fleet, wikimedia
Eskalation‍

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‍Der Irankrieg hat drei realistische Pfade. Der erste lautet Eskalation; und zwar im Stile der ersten Kriegsphase bis Anfang April. Präsident Trump hat Iran in den vergangenen Wochen immer wieder mit einer Rückkehr zu intensiven Luftschlägen gedroht. Israels Premier Benjamin Netanjahu plädiert öffentlich darauf, macht Druck auf Trump und gerät offenbar selbst mit seiner Armeeführung in Streit. Offenbar gab es seitens Israel bereits einen konkreten Angriffsplan für Mitte Oktober, welcher von den USA mit Hinblick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen abgelehnt wurde. Dass Israel unabhängig von den USA agiert, wirkt derzeit unwahrscheinlich – auch mit Hinblick auf die aktuelle Regierungsbildung im Land –, ist aber nicht völlig auszuschließen. Bereits im Zwölf-Tage-Krieg 2025 bewegte die Netanjahu-Regierung die USA durch initiierte Eskalation in den Krieg hinein.

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‍Für eine Eskalation spricht tendenziell, dass die amerikanischen Zwischenwahlen vorüber sind. Trump selbst muss sich keiner Wahl mehr stellen, in welcher sein unbeliebter Irankrieg eine Rolle spielen könnte – es sei denn, der Wunsch, sein politisches Gewicht zu bewahren, bildet innenpolitische Leitplanken. Andersherum könnte Trump auf seine Wahlniederlage (er hatte die Zwischenwahlen stark auf sich personalisiert) und auf höhnische, triumphale Reaktionen aus Iran mit einem aggressiveren Auftreten reagieren. Wahlweise, aus Verärgerung oder als Versuch, durch ein hochriskantes Manöver doch noch einen Sieg und damit ein positives Vermächtnis zu erringen. Militärische Risikobereitschaft bewies Trump schließlich bereits in Venezuela und eben auch mit dem Irankrieg. Und wo er innenpolitisch vom neuen Kongress stärker eingehegt werden wird, behält er in der Außenpolitik viel exekutive Gestaltungsfreiheit – und könnte sich somit auf diese fokussieren.

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‍Gut zu wissen: Dafür gäbe es auch Präzedenz: Bereits George W. Bush intensivierte nach seiner schweren Niederlage in den Zwischenwahlen 2006 den Irakkrieg, in der Hoffnung, doch noch einen Erfolg daraus machen zu können. Passend zu heute war auch damals der Umgang mit einem unpopulären Krieg das dominierende Wahlthema.

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‍Materiell versetzen sich die USA jedenfalls imstande, eine Eskalation durchzuführen. Das US-Militär hat in den vergangenen Wochen Militärkapazitäten in die Region bewegt, darunter Kampfjets und einen dritten Flugzeugträger, und es hat dem Präsidenten Pläne für eine mögliche neue Großoffensive vorgestellt.

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‍Und Iran? Die Regierung hat seit Kriegsbeginn eine auffällige Bereitschaft zu proaktiven, kleineren Eskalationsschritten bewiesen, da sie selbstbewusst auf ihre eigene Überlebensfähigkeit und skeptisch auf die amerikanische Leidensfähigkeit blickte – und eben dies demonstrieren wollte. In den letzten Wochen blieb sie jedoch auffällig vorsichtig; auf jüngste Luftschläge der USA reagierte Teheran kaum.

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‍Womöglich hat sich in der iranischen Führung der Wunsch durchgesetzt, sich materiell und wirtschaftlich zu konsolidieren, und die Einschätzung, dass ein erneuter Großkonflikt wenig zu gewinnen böte: Das Narrativ um Irans strategische Lage hat sich seit Februar bedeutsam ins Positive gewandelt, die heimische Opposition ist irrelevant und das Land hat seinen Einfluss auf die Straße von Hormus nie aufgegeben (wenn auch on the ground etwas eingebüßt, siehe "Lage"). Ein neuer großflächiger, hochintensiver Krieg könnte diese Vorteile kaum ausbauen, aber sicherlich gefährden. Er würde außerdem existierende Wirtschaftssorgen weiter verschärfen. Teheran mag also wählen, die USA und die Golfstaaten mit proaktiven Nadelstichen unter Druck zu setzen, doch dass es eine größere regionale Eskalation initiiert, wirkt unwahrscheinlich.

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Abkommen

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‍‍Eine Eskalation ist für beide Seiten gefährlich. Iran hätte, wie erklärt, viel zu verlieren und könnte seine Ausgangslage kaum verbessern. Die USA mussten derweil in den vergangenen Monaten realisieren, dass sie militärisch wenig von dem erreicht haben, was sich als Ziel verstehen lässt. Es ist nicht erkennbar, inwiefern eine zweite Runde hochintensiver Luftangriffe mehr dazu beitragen würde, die iranische Regierung zu stürzen, ihren regionalen Einfluss zu brechen oder ihr Atomprogramm zu stören.

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‍Fraglos würde eine Luftkampagne die Militärkapazitäten des Landes weiter abtragen und seine Wirtschaft dezimieren. Doch Iran hat bewiesen, dass es auch nur mit kleinteiligem, günstigem Material – Drohnen und Schnellbooten – einen Großteil seines Schadens durchführen kann. Gegen diese Kapazitäten können die USA nur eingeschränkt vorgehen: Die Drohnen benötigen keine großen Abschussrampen, und ihre Fabriken lassen sich relativ schnell und diskret hochziehen. Zudem erhält das Land materielle Unterstützung aus Russland und China, welche Trump ungewöhnlicherweise dementiert.

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‍Für die USA bedeutet das, dass sie den Nutzen einer zusätzlichen (marginalen) Schwächung Irans gegen die Kosten abwägen müssen: noch mehr Druck auf die globalen Rohstoffmärkte und Preise, Angriffe auf amerikanische Militärkapazitäten (inklusive getöteter Amerikaner) und auf regionale Partner, und ein Verbrauch der eigenen Raketen, Marschflugkörper und Luftabwehrraketen.

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‍Wenn beide Seiten also Grund haben, an Eskalation zu zweifeln, wären Verhandlungen eine Option. Laut Medienberichten ist das, wozu Trump derzeit tendiert; auch öffentlich erklärte er zuletzt, keine akuten Angriffspläne zu habe. Auch Iran hat entsprechende Signale gesendet. Die Länder der Region plädieren ohnehin seit längerem dafür (auch wenn die VAE zeitweise eine aggressivere Linie präferierten), und Qatar, Pakistan und weitere versuchen, zu vermitteln.

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‍Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Abkommen sind das Misstrauen beider Seiten ineinander und der uneindeutige Verhandlungsraum. Iran hat gute Gründe, den USA nicht zu trauen: Das Atomabkommen (JCPOA) überlebte nur wenige Jahre, bevor Washington es unilateral aufkündigte, und ihre Angriffe 2025 und 2026 starteten die USA ausgerechnet inmitten von Verhandlungen über größere politische Abkommen. Andersherum trauen auch die Amerikaner den Iranern nicht: Teheran schien die Verhandlungen im Frühjahr und Sommer gezielt zu strecken und trug mit seinen maximalistischen Interpretationen (z.B. was den Umgang mit der Straße von Hormus betraf) maßgeblich zum Zerfall von Waffenruhe und MoU bei.

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‍Der Verhandlungsraum bezieht sich darauf, wie eine Einigung überhaupt aussehen könnte. Für Iran scheint es beispielsweise strategisch unsinnig, seinen Einfluss über die Straße von Hormus aufzugeben; für die USA wäre das hingegen zentral. Washington dürfte es wichtig sein, irgendeine Form von Konzession seitens Iran zu erzielen, um ein Abkommen als mehr als Anerkenntnis einer Niederlage deklarieren zu können – insbesondere eine Rückkehr zu internationalen Prüfungen des iranischen Atomprogramms. Das dürfte sich Teheran im Gegenzug mit amerikanischen Konzessionen vergüten lassen wollen, zum Beispiel durch die Freigabe eingefrorener Gelder. Ähnliche Bestandteile gab es bereits im MoU, es gibt also eine Blaupause, auch wenn ausgerechnet diese nicht lange hielt.

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‍Was für Verhandlungen spricht, ist, dass sich die iranische Position geschwächt hat. Der Einflussverlust über die Straße von Hormus und ihr genereller leichter Bedeutungsverlust (siehe "Lage") schaffen mehr Raum, mit Iran eine Einigung zu finden, welche dem Land weniger als de-facto-Kontrolle verschafft. Damit lässt sich erstmals seit Kriegsausbruch ein gewisser Verhandlungsraum erkennen – insofern Teheran dieser Lageeinschätzung denn zustimmt, und insofern das Land nicht doch wieder imstande sein wird, die Schifffahrt effektiv zu unterbinden.

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Erstickung (Status quo)

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‍‍Das dritte Szenario ist, dass sich der Status quo vorerst fortsetzt. Die USA behalten die Marineblockade gegen Iran aufrecht und versuchen, das Land somit wirtschaftlich zu ersticken, damit es in der Zukunft unter schlechteren Vorzeichen an den Verhandlungstisch geht und zu weniger Eskalation imstande ist. Iran versucht derweil, den Druck auf die globalen Energiemärkte und auf die Länder der Region aufrechtzuerhalten, durch Angriffe auf die Straße von Hormus und auf die regionale Infrastruktur, teils mithilfe der Houthis und anderer Milizen.

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‍Vor allem der Hebel der USA wirkt signifikant. Öl macht einen großen Teil des iranischen Staatshaushalts aus; für 2026 hatte das Parlament vor Kriegsausbruch einen Anteil von 34 Prozent prognostiziert. Das fällt seit September vollständig weg und wird fraglos Druck auf die Regierung machen. Trump-Berater wie CIA-Chef John Ratcliffe und Finanzminister Scott Bessent plädieren deswegen laut Insidern dafür, vorerst kein Abkommen zu schließen: Marineblockade und Sanktionen sollen länger wirken können, bevor sie z.B. für Konzessionen beim Atomprogramm getauscht werden.

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‍Die drei von uns skizzierten Szenarien sind dabei keineswegs exklusiv und isoliert, sondern würden fließend miteinander wechselwirken; sie stellen eher eine primäre Gangart heraus. Wählen die beiden Seiten, ein Abkommen zu finden, so würde der Weg dorthin von gelegentlichen Eskalationsmomenten akzentuiert werden, mit welchen Iran und Washington ihre Verhandlungsposition zu stärken versuchen. Eine Eskalation hätte wiederum nicht das Ziel, die Gegenseite zu vernichten – die Hoffnung darauf hat sich seitens der USA zerstreut und hat in Iran nie existiert –, sondern würde letztlich in Verhandlungen oder in der Rückkehr in ein mehr oder minder stabiles, kriegerisches Gleichgewicht wie heute münden. Und auch der Sinn der "Erstickung" ist es, eine bessere Verhandlungsposition zu erzielen, nur würden diese Verhandlungen eben erst deutlich später in Ernsthaftigkeit beginnen.

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‍Der wahrscheinlichste Fall‍

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‍Welches der Szenarien ist am wahrscheinlichsten? Vermutlich eine vorläufige Fortsetzung des Status quo. Eine Eskalation ist für beide Seiten riskant. Verhandlungen würden stets mit niedrigem Vertrauen und unklarem Verhandlungsraum zu kämpfen haben. Erst, wenn eine Seite nicht mehr bereit oder imstande ist, den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg mitzugehen, wird sie hinreichend glaubwürdig Konzessionen signalisieren, damit ein Abkommen für die Gegenseite interessant wird und die "Vertrauenslücke" (das hohe Misstrauen ineinander) überbrückbar wird.

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‍Insbesondere die USA dürften hoffen, dass Iran vom Druck der Marineblockade in Kürze zum Einlenken gezwungen wird, schließlich sind die Ölumsätze erst vor zwei Monaten auf null gefallen. Außerdem scheint der größte politische Anreiz für Präsident Trump, steigende Energiepreise zu vermeiden, nun hinter ihm zu liegen – der Versuch liegt nahe, über den Wirtschaftsdruck doch noch eine Art "Sieg" gegen Iran erzielen zu wollen. Es gibt allerdings keinerlei Garantie, dass das gelingt. Iran hat sich längst als leidensfähig und die Regierung als stabil bewiesen. Es könnte die Wirtschaftsblockade doch so sehr auszusitzen bereit sein, dass das "Erstickung"-Szenario im Grunde monate- und jahrelang anhält. Ein weiteres "Subszenario" wäre, dass Iran massive regionale Eskalation wählt, als eine Art hochriskanter "Hail Mary", um die Marineblockade zu brechen. Nach dem Motto: Lasst unsere Schiffe passieren, oder die arabischen Golfstaaten brennen.

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Weiterlesen

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Zum Irankrieg
‍Was wir vom Irankrieg lernen (2026)
Iran: Der nächste Krieg im Nahen Osten (2026)
‍Wie Ölkrisen funktionieren (2026)
‍Israel und Iran (2025)
Israels Geheimdienste (2024)

Zu Iran
Saudi-Arabien, Iran und der Deal (2023)
Iran in Aufruhr (2022)
Iran: Der komplizierte Gottesstaat (2021)

Zu Saudi-Arabien
Saudi-Arabien in der Bredouille (2026)
Mekka-Pakt: Das neue Bündnis im Nahen Osten (2026)
Der Jemen und die Houthis (2024)
Saudi-Arabien, Iran und der Deal (2023)

Zum Nahostkonflikt
Israel und Palästina (Oktober 2023)
Israel und die Hamas im Krieg (Oktober 2023)
Was ist Genozid? (November 2023)
Die Optionen für Frieden in Nahost (Dezember 2023)
Wie steht es um die Hamas? (2024)

Außerdem zum Nahen Osten
Syriens Opposition hat gesiegt (2024)
Der Islamische Staat und Russland (2024)
Der Nahe Osten tut, was der Nahe Osten immer tut (2024 – zweiter Artikel)
Die Wagner-Gruppe (2023)‍
Israels verrückte Innenpolitik (2021)
Israel und die Extremisten (2021)
Israel und seine neuen alten Freunde (2020)

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