October 18, 2026
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15 Minuten Lesezeit

Starlink und seine Alternativen

Satelliteninternet nimmt eine geopolitische Dimension an. Was ist die Lage?
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Blitzzusammenfassung_ (in 30 Sekunden)

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  • Starlink steht erneut im Fokus: Die USA drosseln den ukrainischen Zugang, das trifft die ukrainische Armee signifikant, insbesondere ihren Drohnenkrieg.
  • Es handelt sich um die mit Abstand größte Satellitenkonstellation der Welt – und die Cashcow der Weltraum- und KI-Firma SpaceX.
  • Im Ukrainekrieg nahm Starlink (genauer der Militärarm Starshield) schnell eine übergeordnete Rolle ein. Russische Versuche, den Dienst zu attackieren, scheiterten weitestgehend.
  • Zugleich entstand eine Abhängigkeit der Ukraine, welche sie für wiederkehrende Interventionen des politisch aktiven CEOs Elon Musk vulnerabel machte.
  • Auch deswegen arbeitet Europa an Alternativen. Die Hürden für OneWeb, Iris² und Co. sind allerdings groß – und zumindest kurzfristig können sie keine Alternative zu Starlink/Starshield darstellen.
  • Perspektivisch könnten sie komplementäre Dienste bilden, welche geopolitisch heikle Abhängigkeiten senken. Dafür benötigt es allerdings Milliardeninvestitionen, Anpassungen an den Drohnenkrieg und die Überwindung von Kompetenzstreitigkeiten.

Starlink_

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‍Wenn es darum geht, in der entlegenen Wildnis einmal seine E-Mails checken zu können, oder darum, Luftangriffe auf russische Frontstellungen zu fliegen, führt kaum ein Weg an Starlink vorbei. Der Satelliteninternetdienst aus dem Hause SpaceX ist im Oktober 2026 zum Politikum geraten, doch im Grunde ist er das seit Jahren – und ganz nebenbei ist er auch noch eine spannende technologische Errungenschaft und ein großer kommerzieller Erfolg.

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‍Ins Leben gerufen wurde Starlink 2015, als Geschäftseinheit der Weltraumfirma SpaceX, die sich soeben mit wiederverwendbaren Raketen einen Namen gemacht hatte. Die Idee, Konstellationen von Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn (low earth orbit, LEO) einzusetzen, gab es dabei bereits in den 1980ern. Anfangs ging es um militärische Zwecke, doch recht schnell auch um die Kommunikationstechnologie. Also gingen in den 1990ern eine Reihe von Konstellationen an den Start, darunter Iridium und Globalstar, welche mit weniger als 100 Satelliten jedoch vergleichsweise klein waren. Sie waren außerdem sehr teuer und damit kommerziell wenig erfolgreich; viele Anbieter gingen bankrott.

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‍Gut zu wissen: Ein Satellitenorbit bezeichnet eine Situation, in welcher sich ein Objekt so schnell seitlich bewegt, dass es beim freien Fall aufgrund der Erdanziehung die gekrümmte Erdoberfläche kontinuierlich verfehlt. Auf einer ganz bestimmten Umlaufbahn, nämlich fast 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator (und bei einigen weiteren erfüllten Bedingungen), kann ein Satellit geostationär sein, also relativ zur Erde stationär wirken. LEO definiert dabei eine bestimmte Distanz zur Erde, nämlich in der Regel 180 bis 2.000 Kilometer. Dort spielt sich ein Großteil der menschlichen Weltraumaktivität ab. Daneben existieren z.B. MEO (Medium Earth Orbit) und die geosynchrone Umlaufbahn (GSO), bei welcher sich auch die geostationäre Umlaufbahn findet."Kontinuierlicher" freier Fall stimmt dabei nicht völlig, da leichte atmosphärische Reibung zu einem allmählichen Verlust der Orbitalenergie des Objekts beiträgt und es somit irgendwann doch zur Erde fallen lassen würde. Die Raumstation ISS und viele LEO-Satelliten besitzen deswegen Triebwerke, um den Energieverlust auszugleichen."Klassische" Satelliten, also für Telefonie, Fernsehen und frühes Satelliteninternet, fanden sich in der Regel im geostationären Orbit. Die weite Distanz bedeutet jedoch eine größere Signalverzögerung, die für eine schnelle Internetverbindung problematisch wäre. LEO-Satelliten lösen das Problem durch ihre geringere Entfernung. Dafür benötigt es jedoch eine weitaus höhere Zahl von ihnen, um die gesamte Welt abzudecken, da jeder einzelne Satellit nur einen kleinen Teil der Erdoberfläche "sehen" kann.

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‍Monopolist im Erdorbit‍

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‍Starlink trat also in einen stark unterversorgten Markt ein, als es 2019 erstmals 60 Satelliten in den Orbit brachte und seinen Dienst 2021 eröffnete. Heute ist Starlink mit weitem Abstand der wichtigste Anbieter für Satelliteninternet: Derzeit befinden sich 11.154 Starlink-Satelliten im Orbit, gefolgt von OneWeb (Teil des französischen Satellitenbetreibers Eutelsat) mit 654 und Kuiper (vom Techrivalen Amazon) mit 392.

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OneWebs aktuelle Konstellation ist außerdem bereits vollständig, während Starlink die Zahl seiner Satelliten noch auf 15.000 steigern möchte (Kuiper: 3.236). Eine vergleichbar große Konstellation planen derzeit nur die chinesischen Anbieter Qianfan und GuoWang mit jeweils 15.000 und 13.000 Satelliten. Aktuell haben sie allerdings nur eine niedrige dreistellige Zahl im Orbit, und sie müssen erst noch beweisen, ihre hoch gesteckten Ziele erreichen zu können. Starlink hat diesbezüglich bereits jeden Zweifel ausgeräumt. Alle Satelliten weltweit zusammengezählt (also auch jene von Staaten) macht SpaceX heute 53 Prozent aller aktiven Objekte im Orbit aus. Das europäische OneWeb folgt mit 4,5 Prozent.

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‍Mit seiner Konstellation bietet Starlink Breitbandinternet auf der Erde an. Eine Bodenstation, welche ans Glasfaserinternet angeschlossen ist, sendet Funksignale an vorbeiziehende Starlink-Satelliten im LEO. Diese senden das Signal dann an die Satellitenantenne (das Terminal), welche Kunden erwerben, am Boden weiter. Und was, wenn eine der rund 150 Bodenstationen und die Antenne eines Nutzers weit voneinander entfernt sind? Dann kommunizieren die Starlink-Satelliten einfach per Laser untereinander, um das Signal praktisch durch den Orbit weiterzuleiten.

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‍Die Technik ermöglicht hohe Geschwindigkeiten (auch, da die Satelliten im LEO relativ niedrig befindlich sind und der Datenverkehr somit wenig Latenz hat) und viel Ortsunabhängigkeit: Satelliteninternet funktioniert in entlegenen Gegenden, inklusive Schiffen. Das erklärt, warum eine große Konstellation von Vorteil ist: Nur dadurch ist Starlink an vielen Orten verfügbar und die Satelliten-Laserkommunikation funktioniert.

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‍Starlink wirkte lange wie ein sekundärer Teil von SpaceX, ein "nice to have", neben dem öffentlichkeitswirksamen Geschäft mit Raketenstarts. Heute ist es allerdings eine eigene Erfolgsgeschichte und der mit Abstand größte Umsatzblock des Konzerns. Knapp 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf Starlink mit dessen 11,4 Milliarden USD im Gesamtjahr 2025. Es ist außerdem der einzige Teil des Konzerns, welcher profitabel operiert. Starlink finanziert damit in hohem Maße die weiteren Weltraumambitionen – und neuerdings die KI‑Ambitionen – von SpaceX.

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Starlink als Waffe im Ukrainekrieg_

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Kiew-Bürgermeister Vitali Klitschko und sein Bruder Wladimir mit Starlink-Antennen während der Schlacht um Kiew, März 2022. Quelle: Kyivcity.gov.ua, wikimedia

Internet in entlegenen Gegenden, nur mittels einer kleinen Antenne, ohne Notwendigkeit für teure, angreifbare Infrastruktur? Es ist keine Überraschung, dass Starlink schnell eine militärische Dimension erhielt. Die erste Feuertaufe kam mit dem Ukrainekrieg.

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‍Mit dem Beginn seines Angriffskrieges führte Russland auch konventionelle und Cyberattacken gegen die ukrainische Kommunikationsinfrastruktur durch. Es schaltete z.B. die amerikanische Satellitenfirma Viasat, deren geostationäre Satelliten die Ukraine mit Internet versorgten, per Cyberangriff aus. Schnell wurde klar, dass Starlink – mit welchem Kiew sich gerade in Verhandlungen befunden hatte – eine elegante Lösung darstellt. Das System lässt sich kaum abhören und schwierig stören, etwa wenn der Angreifer sehr nah an eine Antenne gelangt oder wenn er Bodenstationen zerstört.

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‍Also einigte sich die Ukraine auf Betreiben des damaligen Digitalministers Mychajlo Fedorow mit SpaceX-CEO Elon Musk, den Dienst für das Land freizuschalten. Anfangs geschah das kostenfrei, später zahlte das amerikanische Verteidigungsministerium, heute scheinen es die Europäer rund um Polen und Deutschland zu tun. Im Dezember 2022 gab SpaceX dann "Starshield" bekannt, die auf die militärische Nutzung fokussierte Sparte von Starlink, welche eng mit dem Pentagon verbunden zu sein scheint. Starshield verwendet das Starlink-Netzwerk, hat jedoch noch stärkere Verschlüsselung und erlaubt es, Starlink-Sensoren direkt in Objekten wie Drohnen zu integrieren. Darüber hinaus sind wenige Details zu Starshield bekannt.

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‍Gut zu wissen: Dieser Explainer verwendet die Begriffe Starlink und Starshield mitunter synonym. Grundsätzlich fällt jede militärische Nutzung des Starlink-Netzwerks jedoch unter Starshield.

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Die Satellitenstreitmacht‍Starlink ist heute "das Rückgrat der militärischen Kommunikation in der Ukraine", so ein Analyst des Institute for the Study of War (ISW). Es wird von den Boden-, Luft- und Marinestreitkräften eingesetzt. Starlink erlaubt es zum Beispiel, Aufklärung zu betreiben, und Drohnen für Luftabwehr und Luftangriffe einzusetzen. Nicht jede einzelne Drohne ist auf Starlink angewiesen, doch insgesamt ist das System heute kaum wegzudenken.

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‍Ein Offensivszenario sieht folgendermaßen aus: Eine Aufklärungsdrohne erkennt ein feindliches Fahrzeug und informiert einen Operator über den Standort. Dieser schickt eine FPV-Drohne (First Person View, also mit einer Kamera ausgestattet) dorthin und steuert sie mit ihrem Sprengsatz in das Fahrzeug. Das ist nur durch geringe Latenz möglich, denn andernfalls würde die Drohne ihr Ziel häufig verfehlen: Das Fahrzeug ist nicht mehr dort, wo es der Videofeed des Operators anzeigt. Ein Defensivszenario ist wiederum, dass eine russische Geran-Drohne (Umbauten der iranischen Shaheds und im Grunde eher Marschflugkörper) mit rund 319 km/h auf eine ukrainische Stadt zufliegt. Das ukrainische Aufklärungssystem erkennt sie und eine Abfangdrohne wird aktiviert, welche sie abfängt und zerstört.

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‍Für Russland hat Starlink große Probleme geschaffen. Das Land hatte wenige Mittel, gegen die Konstellation und die Informations- und Latenzüberlegenheit der Ukraine vorzugehen. Es sabotierte Bodenstationen in Polen und in Bulgarien, wodurch es vermutlich für etwas langsameren Datenverkehr sorgte, doch das ist keine allzu zuverlässige Lösung. Störversuche (jamming) scheiterten in den meisten Fällen, offenbar auch, weil SpaceX-Ingenieure äußerst kompetent in der Abwehr waren. Eine Weile lang konnte Russland selbst im Angriffskrieg von Starlink profitieren, indem es sich über (vermutlich arabische) Drittländer Antennen erschmuggelte, doch Anfang 2026 stoppte SpaceX den russischen Zugang, indem es die Nutzung in der Ukraine strenger über Whitelists für Benutzerkonten reglementierte. Das belastete die russischen Operationen spürbar, und ermöglichte maßgeblich die ukrainische Luftüberlegenheit sowie Gegenoffensiven in der ersten Hälfte des Jahres.

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‍Gut zu wissen: Und für die Zivilisten in der Ukraine? Auch für sie spielt Starlink eine Rolle. Schulen, Krankenhäuser, Eisenbahnen, Journalisten und die Regierung nutzen den Dienst beizeiten, um auch in Notlagen eine Verbindung zu bewahren; vor allem in Frontnähe. Einfache Bürger nutzen Starlink hingegen seltener, da das Internet verhältnismäßig teuer ist.

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‍Elon Musk als außenpolitischer Akteur‍

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‍Russland mag zwar keine Antwort auf SpaceX gefunden haben, doch dafür besitzt es einen gelegentlichen ungeplanten Verbündeten im Unternehmen selbst sowie im Weißen Haus. Starlink hat nämlich seit jeher die Nutzung durch die Ukraine eingeschränkt. Das beginnt damit, dass sich das System über Russland nicht nutzen lässt, auch nicht für die ukrainischen Streitkräfte. Ihre Operationen im Feindesland finden also ohne Hilfe von Starlink statt. Auch die russisch besetzten Gebiete im Donbass und auf der Krim sind abgeschnitten, obwohl sie ukrainisches Staatsgebiet bilden; eine Art Pufferzone an der Grenze zu Russland und Belarus ebenso. Bitten der Ukraine, die Krim freizuschalten, lehnte SpaceX ab.

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‍Damit nicht genug. Starlink deaktivierte im Oktober 2022 schlagartig den Dienst inmitten einer ukrainischen Gegenoffensive in der Region Cherson, was zu "katastrophalen" Kommunikationsverlusten geführt habe. Ähnliche Vorfälle gab es auch in Saporischschja, Charkiw und im Donbass. Mindestens in Cherson traf Elon Musk die Entscheidung ausdrücklich selbst, wie eine Reuters-Recherche drei Jahre später behauptete. Insider sprechen davon, dass er "den Ausgang des Krieges in die eigene Hand genommen" habe. Genau das hatte Musk zuvor mehrfach dementiert.

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‍Die Vorwürfe sind durchaus plausibel. Musk übernahm in der Vergangenheit auffällig oft russische Positionen zum Ukrainekrieg; er forderte etwa die Ukraine zur Aufgabe ihrer besetzten Gebiete auf und unterstrich russische historische Ansprüche auf die Krim. Er attackierte und verhöhnte zudem Präsident Wolodymyr Selenskyj. Musk scheint dabei weniger eine ideologisch prorussische Haltung einzunehmen, als Angst vor einer Eskalation des Krieges an den Tag zu legen. Er drückte mehrfach die (von Moskau gezielt geschürte) Sorge aus, dass der Ukrainekrieg in einer nuklearen Eskalation resultieren könnte, auch ausdrücklich mit Hinblick auf ukrainische Operationen gegen die Krim. Die Insider in der Reuters-Recherche spekulieren ebenfalls, dass diese Sorge das Motiv für die Abschaltungen gewesen sein könnte. Das passt dazu, dass SpaceX zu Beginn des Krieges öffentlich kritisierte, dass die Ukraine das System für Angriffsdrohnen nutzte, und vergeblich versuchte, diese Nutzung zu unterbinden.

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‍Womöglich war es nun erneut Elon Musk, welcher das Weiße Haus zur Drosselung von Starlink über der Ukraine bewegte. Vor einigen Tagen kam es nämlich völlig unangekündigt zu Einschränkungen: Drohnen, welche sich schneller als mit 160 km/h bewegten, verloren ihre Internetverbindung und waren damit im Grunde nutzlos. Für die Abwehr russischer Luftangriffe sind sie nicht mehr zu gebrauchen, für Angriffe ebenso.

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‍Der Vorgang sorgte für scharfe Kritik aus Medien und Politik an SpaceX und der US-Regierung, sowohl aus Europa als auch von den proukrainischen Kräften in der US‑Politik. Musk wies jegliche Schuld von sich und verwies auf das Weiße Haus: Drosselungen müssten vom US-Militär und letztlich von Präsident Donald Trump entschieden werden. Insider erklärten in den vergangenen Tagen, dass die Order zwar aus dem Weißen Haus gekommen war, jedoch nicht von Trump selbst. Trump dementiert ebenfalls.

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‍Der Telegraph berichtete nun mit Bezug auf amerikanische, europäische und ukrainische Quellen, dass Musk auf Trump mit dem Vorschlag einer Drosselung zugegangen sei, und dieser zugestimmt habe. Stimmt das, dürfte das Ziel gewesen sein, die Ukraine dazu zu zwingen, ihre Angriffe auf russische Raffinerien zu stoppen, wie Trump zuvor verlangt hatte. Für diese kommt Starlink wie erwähnt überhaupt nicht zum Einsatz; es würde sich bei der Drosselung also um eine Drohung und Machtdemonstration Washingtons handeln.

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‍Gut zu wissen: Die USA unterbrachen laut Angaben Kiews auch ihre Warnungen bezüglich russischer ballistischer Raketenangriffe. Diese Warnungen geschahen nicht über Starshield, sondern durch das sogenannte Space-Based Infrared System. Die geopolitische Logik ist allerdings dieselbe: Das Weiße Haus kann sowohl Starshield als auch das SBIRS einfach abstellen und dadurch die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine bedeutend verringern.

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Europas Alternativen_

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Starlink (dünne weiße Linie, mittig) über Tübingen. Quelle: Dktue, wikimedia

Der Ukrainekrieg hat eindrucksvoll bewiesen, wie wichtig ein satellitenbasiertes Kommunikationssystem heutzutage ist. Zum einen durch den direkten Nutzen im Kriegsfall, zum anderen durch die Gefahren von Abhängigkeiten: Egal, ob es nun Musk, Trump oder ein völlig anderer Urheber war, die Ukraine hat ihre Verteidigung nicht in der eigenen Hand. Sowohl für sie als auch für den Rest Europas lautet die Lehre aus dem Vorgang, eigene Kapazitäten aufzubauen. Doch was sind die europäischen Alternativen?

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‍Eutelsat/OneWeb‍

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‍Der alteingesessene Wettbewerber ist Eutelsat, mit dessen 2023 erworbenen Konstellation OneWeb. Wie bereits oben erwähnt, ist die Konstellation allerdings nur einen Bruchteil so groß wie jene von SpaceX. Da die OneWeb-Satelliten mit 1.200 Kilometern etwas höher gelegen sind als die Starlink-Satelliten mit rund 550 Kilometern, benötigt es auch weniger von ihnen, um die Erde abzudecken – doch die Latenz ist leicht höher, was gerade bei militärischen Anwendungen schnell relevant wird. Dazu kommt, dass einige Analysten an der technischen Nützlichkeit für den Fronteinsatz zweifeln: Netzwerkkapazität, Performance, Kosten, Antennengewicht, und Strombedarf seien nicht für den modernen Drohnenkrieg geeignet, so eine Kritik.

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‍Der Faktor Kosten ist für einen Ersatz von Starlink besonders relevant. Denn die Systeme sind nicht untereinander kompatibel; eine Starlink-Antenne kann nicht an das OneWeb-Netz anschließen. Eutelsat/OneWeb ist in der Ukraine bereits mit rund 1.000 Antennen präsent, doch an die über 50.000 von Starlink kommt es nicht heran. Es müssten also Zehntausende Antennen angeschafft, installiert und in Kommandostrukturen integriert werden – und während die Antennen bei Starlink einige Hundert Dollar kosten, sind es bei OneWeb knapp 10.000 USD oder sogar mehr, zuzüglich Abonnementgebühren. Außerdem bräuchte es neue Bodenstationen.

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‍Ob OneWeb eine Alternative zu SpaceX darstellen kann, sowohl mittelfristig im Ukrainekrieg als auch langfristig für Europa insgesamt, ist damit in erster Linie eine Kosten- und Logistikfrage. Selbst, wenn die europäischen Regierungen bereit wären, die benötigten Milliarden zu subventionieren – die Kostenfrage –, hieße es nicht einfach nur, Antennen einer Farbe mit jener einer anderen auszutauschen: Ein gesamter Gefechtsarm der ukrainischen Streitkräfte müsste neu ausgestattet werden, während er aktiv Krieg führt – die Logistikfrage.

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‍Iris²‍

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‍Das zweite große System ist Iris², in Auftrag gegeben und unterstützt von der EU in Form der Weltraumagenturen ESA und EUSPA (mit Norwegen und Island als Partnern). Es soll bis 2030 aus 330 Satelliten im LEO bestehen, wie OneWeb auf einer Höhe von 1.200 Kilometern, unterstützt von 18 Satelliten im MEO auf 8.000 Kilometern. Ziel ist es ausdrücklich, eine Alternative zu Starlink und Starshield aufzubauen: eine europäische Infrastruktur für verschlüsseltes Satelliteninternet für Regierungen und Armeen; perspektivisch auch für Unternehmen und Privatpersonen. Die Kosten sollen knapp 15,6 Milliarden EUR betragen.

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‍Seit einigen Monaten ist auch bekannt, wer Iris² auf die Beine stellen soll. Die EU vergab den Auftrag für den Aufbau und Betrieb der Infrastruktur an das "SpaceRISE"-Konsortium, rund um den luxemburgischen Satellitenbauer SES, Eutelsat, und das spanische Hispasat. Die Satelliten selbst werden vom belgischen Startup Aerospacelab, von Airbus Defense and Space und vom deutschen Satellitenbauer OHB stammen. Weiterhin beteiligt sind die europäischen Firmen Deutsche Telekom, Orange, Hisdesat, Telespazio und Thales Alenia Space.

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‍Das Projekt ist das Aushängeschild für europäische Souveränität, doch damit trifft es auch auf typisch europäische Herausforderungen. Ob der Zeitplan mit ersten Starts im Jahr 2029 und einer vollständigen Funktionsfähigkeit 2030 gehalten werden kann, ist unklar. Die Kosten könnten noch deutlich steigen (sie lagen einst bei 6 Milliarden EUR, wenn auch bei geringerer Projektgröße) und damit zum Opfer der Haushaltsstreits in der EU geraten. Ein Großteil des Projekts wird vom relativ unerfahrenen Startup Aerospacelab geleistet, was es günstiger macht, aber eben auch riskanter. Deutschland beschwerte sich im Dezember 2023 bereits darüber, dass die deutsche Industrie nicht genügend zum Zug käme – ein ähnlicher Streit ließ das Kampfjetprojekt FCAS jüngst scheitern. Und die Starts sind abhängig von der Ariane-6-Rakete, der nahezu einzigen europäischen Option für Weltraumstarts. Selbst, wenn es bei der Ariane keine gesonderten Probleme geben sollte, werden ihre Kapazitäten einen engen Flaschenhals darstellen. Ironischerweise könnte Europa ausgerechnet auf SpaceX setzen, um dieses Problem zu lösen – doch das könnte ausdrücklich nicht gewollt sein.

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SATCOMBw 4‍

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‍Separat von Iris² arbeitet die Bundeswehr an ihrem eigenen Satellitennetzwerk für militärische Zwecke. "SATCOMBw 4", soll eine dreistellige Zahl an Satelliten im LEO platzieren und 8 bis 10 Milliarden EUR kosten. Erste Satelliten sollen bereits 2029 aktiv sein, weitere in den Jahren darauf folgen. Das Projekt würde die zwei Bundeswehr-Satelliten im geostationären Orbit, COMSATBw-1 und COMSATBw-2 (jeweils 2009 und 2010 platziert), ergänzen. Die Ähnlichkeiten zu Iris² sind offensichtlich, und sorgen für Diskussionen über ineffiziente Doppelausgaben. Anlass für SATCOMBw 4 scheint zu sein, dass Berlin die Pläne für Iris² zu langsam waren – und bestimmte Anforderungen der Bundeswehr im europäischen Projekt nicht berücksichtigt worden seien.

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‍Gut zu wissen: Zwei weitere nennenswerte europäische Player, welche an das Thema dieses Explainers angrenzen: Erstens, das finnische Startup ICEYE, welches ein eigenes Netzwerk aus Aufklärungssatelliten besitzt und aufbaut. Ein Satelliteninternet stellt es allerdings nicht zur Verfügung. Zweitens, "Project Bromo": Es bezeichnet die Pläne von Airbus, Thales und dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo, ihre Weltraumsparten zu bündeln, um international wettbewerbsfähiger zu werden. Die EU ist offenbar bereit, eine beschleunigte wettbewerbsrechtliche Genehmigung auszustellen.

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‍Rasswet‍

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‍Auch Russland arbeitet an einem Starlink-Rivalen. Das Hauptprojekt heißt Rasswet (Morgendämmerung) und hat bereits 32 Satelliten in den Orbit gebracht– schneller, als die Ukraine erwartet hat, so Geheimdienstquellen. Gelingt es, die Konstellation aufzubauen, hätte Russland den ukrainischen Starlink-Zugang nicht nur kompensiert: Anders als die Ukraine wäre es keinen Reichweitenbeschränkungen unterworfen, und auch nicht dem Faktor Unsicherheit aufgrund eines erratischen Weißen Hauses. Der ukrainische Militäranalyst Serhiy Beskrestnov, welcher auch Selenskyj berät, warnt vor einem "kleinen Desaster".

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‍Doch ob und wann es so weit kommt, ist unklar. Russland ist weit hinter dem erklärten Ziel, bis Jahresende 156 Satelliten platziert zu haben, was auch das Ziel von 300 Satelliten im Jahresverlauf 2027 und 924 Satelliten bis 2035 in Frage stellt. Und von den 32 transportierten Satelliten gingen einige verloren und andere schafften es nicht, die Ziellaufbahn zu erreichen. Das könnten zu erwartende technische Schwierigkeiten eines komplexen Großprojekts sein, oder Signale für den über die Jahre deutlich geschwächten russischen Weltraumsektors. Derzeit ist Rasswet jedenfalls nur bedingt nützlich; es funktioniert überhaupt nur, wenn einer der wenigen Satelliten gerade über die Ukraine zieht.

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‍Ein Fazit‍

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‍Eine europäische Alternative zu Starlink ist in der Kurzfrist unrealistisch. OneWeb kann die Bedarfe nicht erfüllen, und Iris² oder SATCOMBw 4 werden erst in einigen Jahren überhaupt an den Start gehen. Für die Ukraine führt also kein Weg an SpaceX und damit der US-Regierung vorbei. Mittelfristig können die europäischen Systeme zumindest komplementäre Alternativen darstellen, was bereits viel Wert stiften würde.

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‍Denn die aktuelle Situation rund um das amerikanische Vorgehen gegen die Ukraine zeigt die Gefahren einer Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, insbesondere einem derart politisierten. Und ironischerweise gilt: Je geringer die Abhängigkeit, umso weniger attraktiv ist es, sie überhaupt als Hebel zu verwenden. Wäre die Ukraine heute imstande, relativ effektiv auf ein anderes Netzwerk auszuweichen, hätte das Weiße Haus den Starlink-Zugang vermutlich nicht als Drohmittel verwendet.

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‍Um mittelfristig solche Alternativkapazitäten aufzubauen, benötigt es viel Kapital und politischen Willen. Europa muss vermeiden, dass Kompetenzstreitigkeiten, langsame Genehmigungsprozesse oder ein Mangel an Raketenstarts den Aufbau der eigenen Konstellationen verzögern oder scheitern lassen. Genauso wird auch die Verbreitung des neuen Systems in der Ukraine viel kosten, was letztendlich von Europa getragen werden muss. Zu guter Letzt spielen die Integrierbarkeit in den modernen Drohnenkrieg und die Resilienz gegen feindliche Cyberattacken eine hohe Rolle. Bei beidem werden die neuen Systeme schnelle Lerneffekte an den Tag legen müssen. Dabei gilt es nicht unbedingt, das erfahrene SpaceX ausstechen zu müssen, was Fähigkeiten oder Größe angeht, sondern ihm eben besagte Alternative zur Seite zu stellen.Gelingt das nicht, liegt die finale Entscheidung über zentrale Teile der ukrainischen Schlachtfeldkommunikation weiter in Washington.

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